Studententraum

Kommentar: Das Restaurant Vincent ist mittlerweile geschlossen.

Einst philosophierten Studenten in einem Lokal im 2. Wiener Gemeindebezirk. Heute geniessen Gourmets (auch die Studenten von damals) ebendort im Restaurant Vincent – mittlerweile mit 17 Gault Millau Punkten ausgezeichnet – die moderne Küche von Peter Zintner in gemütlicher Atmosphäre.

Alte Zeiten

Wir wollten uns also mal wieder wie Studenten fühlen.

Lärmig haben wir die Lokale in Erinnerung, die wir damals besucht haben. Komplett verraucht. Für die jüngeren Leser – nicht, weil das Fleisch in der Küche gerade verkohlt ist (ok, das manchmal auch), sondern damals hat man noch überall geraucht.

Die Einrichtung düster. Oder Post-Modern in den schrillen Farben und Formen der 80er und 90er Jahre. Das Essen – na ja. Spezialtoast scharf. Hühnerschnitzel gebraten mit Knoblauchsteak an besonderen Festtagen. Aber auf das Essen kommt es ja nicht so an.

Restaurant Vincent Wien

Gute Vorsätze

Der Vorsatz war da. Wirklich. Also sind wir ins Restaurant Vincent gegangen, das war ja mal ein Studentenbeisl. Und der Patron Frank Gruber hat doch selber Philosophie studiert, sagt man. Die Philosophen verstehen etwas vom Leben.

Kann ja keiner was dafür, dass das Restaurant Vincent jetzt auf einmal 17 Gault Millau Punkte hat. Das Essen war ja früher auch kein Auswahlkriterium. Die Einrichtung – ja manches erinnert uns da noch an damals. Ehrlich, schon recht retro. Nur dass wir heute zu der Uhrzeit heimgehen, zu welcher wir damals gekommen sind.

Ja, ins Vincent gegangen – da haben wir geschummelt. Hinfahren haben wir uns lassen. Mit dem Taxi. Der Lionel Richie wahrscheinlich auch – aber mit dem Privatchaffeur.

Endless Love

Lionel Richie – ja, der war wohl kürzlich erst da. Hat sich an seine Zeiten bei den Commodores erinnert und an das Duett-Singen mit Diana „Endless Love“ Ross und hat dabei Kaviar gelöffelt. Bis ihn – so sagt man – die eine Dame mit mit Stevie Wonder angekreischt hat.

Fremdschämen, nennt das der Peter Zintner. Wir auch. Als Studenten hätten wir ihn vielleicht auf ein Bier eingeladen. Jetzt auf ein Glaserl Vinothekenfüllung vom Knoll. Aber nicht angekreischt. Und schon gar nicht unter fremdem Namen. Nicht mal besoffen.

Restaurant Vincent Wien

Wichtigkeiten

Peter Zinter, das ist auch ein wichtiger Mann. Der Herr der Küche quasi. Patron Frank Gruber scheint ein Händchen dafür zu haben – alle paar Jahre ein neuer Küchenstar im Vincent (Neunkirchner, Hoffinger, Riedl, …).

Noch eine wichtige Person muss man erwähnen – Sommelier und Oberkellner Mario Raaber. Der versteht was vom Wein. Und vom den Gast dafür zu begeistern. Auch hat im Keller auch noch ein paar Jahrgänge aus unserer Studentenzeit. Nicht von irgendwelchen Winzern – von den besten.

Kalorin

Um das ganze authentisch zu halten, war uns natürlich auch die Menge wichtig. Man kennt das ja – man wacht morgens auf, und der Supermarkt hat schon wieder zugesperrt. Damals war ja um 18h Landenschluss. Gut, wenn man am Vorabend richtig zugelangt hat.

Extragrosses Cordon Bleue wollten sie uns keines verkaufen. Na dann halt das 10 Gang Menü. Wird kalorinmässig schon ungefähr hinkommen. Netterweise stellt uns Frank Gruber etwas zusammen. Mario Raaber verspricht, sich um die Weine dazu zu kümmern. Und Peter Zinter haben sie wohl zugeflüstert, dass er jetzt so richtig liefert soll.

Unser Dinner im Restaurant Vincent in Wien

0. Grüsse aus der Küche

Los gings mit dem Gruss aus der Küche. In den guten alten Zeiten haben wir ja nur Abschiedsgrüsse gekannt – den warmen Pflaumenschnaps beim Chinesen. Da gefällt uns der marinierte Oktopus mit Räucherfischmousse und knackgem Radi Lichtjahre besser!

Restaurant Vincent Wien

Brot kommt an den Tisch – in Pergamentpapier eingewickelt; wäre früher praktisch zum Mitnehmen gewesen. Haben wir heutzutage irgendwie schon zu oft gesehen. Zwei oder drei Sorten zur Auswahl gefällt uns besser. Aber die „Spagetti-Butter“ – schaut gut aus und macht das ganze auch luftiger, gut!

Restaurant Vincent Wien

1. Feldhase – Erbse, Vulcano, Fermentierter Knoblauch

Nein, das Kaninchen der Nachbarstochter haben wir auch damals nie hungrig in die Pfanne geworfen und verschlungen. Doch wenn’s ein Feldhase gewesen wäre und wir gewusst hätten, was man daraus machen kann, vielleicht hätten wir es getan.

Der Feldhase im Restaurant Vincent gefällt uns in Kombination mit Erbse dafür sehr gut. Ein wenig Vulcano-Speck dazu – ein regionales Produkt aus der Steiermark, welches Schritt für Schritt und verdient gar auch beginnt, international Fuss zu fassen.

Restaurant Vincent Wien

Der Laden brummt, richtig voll ist es an diesem Samstag Abend. Das spricht für das Restaurant! Doch wo bleibt denn schon wieder unser Wein?

2. Gänseleber – Eis, Quitte, Karfiol

Als Student hätten wir eine Portion dieser Grösse übersehen. Doch das bleibt schon der einzige Kritikpunkt – Gänselebereis mit geröstetem Karfiol (Blumenkohl) ist eine tolle Kombination, die Quitte gibt Fruchtig- und Lebendigkeit.

Restaurant Vincent Wien

3. Consommé vom Ochsenschlepp – Madeira, Trüffel, gelbe Rübe

Schön früher wäre nie eine Packerlsuppe auf den Tisch gekommen. Suppe muss tiefgründig sein, intensiv. Eine Consommé wie im Vincent erfüllt diese Ansprüche und gefällt uns! Das Törtchen mit Trüffel ist eine gelungene Einlage, die gelbe Rübe und das Würferl Madeira Gelee ein netter Kontrapunkt.

Restaurant Vincent Wien

4. Hausgemachte Tagliolini – Parmesan, Trüffel

Erneut fein waren danach die Taglioini mit Parmesan; kräftig der Geschmack des Käses, doch die intensiven Aromen der weissen Trüffen (Aufpreis) konnten da eine gute Balance finden.

Restaurant Vincent Wien

5. 60 Min. Bio – Dotter, Topinambur, Röstzwiebel

Im Glas dann serviert das 60 Minuten Ei – für uns fast schon ein wenig zu hart, wir mögen es cremiger. Fein dazu die leicht süssliche Topinambur-Creme und die Süss- und leichten Röststoffe der Röstzwiebel. Nach dem Motto „Einmal im Leben essen wie Billy Joel“ haben wir uns auch noch zwei Löffelchen Kaviar (Aufpreis) dazu gegönnt.

Restaurant Vincent Wien

Wo bleibt denn schon wieder der Wein? Und weshalb bekommen wir immer den gleichen, wenn der vielbeschäftigte Mario Raaber nicht persönlich da ist?

6. Neusiedersee Wildfang Zander – Saure Erdäpfel, Gurke, Schaffrischkäse

Nichts gegen den kros angebratenen Zander, der war sehr fein. Doch so wirklich richtig toll war der Sud darunter! Und die Zuchini- Kügelchen waren schön knackig, jene von der Gurke und vom Schafkäse (eines davon, wenn wir uns nicht irren, als Sphäre) gleichfalls fein. Am Tisch dann noch mittels Pipette altem Balsamico daraufgetropft – der Hammer!

Restaurant Vincent Wien

7. Sorbet

Als Zwischengang ein Passionsfruchtsorbet – unser Mangen ist bereit für weitere Schandtaten.

Restaurant Vincent Wien

8. Mieral Taube – Ducca, Kraut, Macadamia

Die Taube intensiv und kräftig, der Fonds tiefgründig und fein. Lecker der Weisskrautsalat, mit einem kleinen Röllchen Speck – wieder Vulcano – darauf. Nicht zu verachten!

Restaurant Vincent Wien

 

9. Käse

Kartoffeln haben wir ja schon als Studenten gegessen, halt keine La Ratte. Heute ist der Abend für feine La Ratte Kartoffeln auf Epoisse, dazu Honig, ein Stilton und ein weiterer Käse auf der schärferen Seite.

Restaurant Vincent Wien

10. Valrhona – Nougat, Feige, Schwarzbier

Schokolade ist eh immer gut. Wenn sie dann auch noch von Valrhona ist, umso besser. Und dann noch kombiniert mit Nougat, mit Feige und den feinen Bitterstoffen vom Schwarzbier, dann ist das ein süsser Abschluss, welcher uns gefällt – sehr gut!

Restaurant Vincent Wien

11. Petit Fours

Zum Abschluss dann noch die Petito Fours – sorry, bis auf das Karamel in der Mitte waren die nicht so ganz auf unserer Linie.

Restaurant Vincent Wien

Die Orange Illy Kaffeetasse vermutlich aus den 80er oder 90er Jahren hat uns dann wieder an unsere Studentenzeit erinnert.

Restaurant Vincent Wien

 

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Unser Küchenreise-Rating:

Schon vor einem Jahr haben wir das Vincent besucht (Lesen Sie mehr: Von der Studentenkneipe zum Sternetempel), damals an einem eher ruhgen Abend.

Das Essen ist noch immer sehr fein, die Ratings der Gourmetführer gerechtfertigt. Auch wenn uns scheint, dass der Aufwand hier ein wenig zurückgefahren wurde – die genialsten und auch komplexeren Gerichte und auch ein wenig mehr an Grüssen/Pre-Desserts habe wir damals gegessen. Hoffentlich ist da kein Kostendruck am Werk.

Die Weinbegleitung und Beratung war damals genial. Wir haben tolle weniger bekannte Weine sowie Granaten der Top-Klasse genossen und sind der Kompetenz und dem Charme von Mario Raaber erlegen. Im diesmal bis zum letzen Platz vollen Restaurant war er leider nur selten an unserem Tisch. Und die anderen Mitarbeiter diesmal vorwiegend immer auf die gleichen „Standardweine“ zurückgegriffen – hätten wir nicht ein wenig gepusht, so wären’s vielleicht auch nur 3 verschiedene Weine für den ganzen Abend gewesen. Schade! Hier geht viel mehr – wir haben es schon erlebt!

Das Ambiente ist schon ein wenig speziell mit manchem „Retro-Schick“ – doch gemütlich, das Restaurant nicht so ganz zentral. Dennoch – hinter dem Restaurant Steirereck und dem Restaurant Slivio Nickol (Lesen Sie mehr: Chef, die Warp 2 Barriere ist durchbrochen!) ist das Vincent mit Peter Zinter in der kulinarischen „Verfolgergruppe“, wenn auch mit Abstand.

Wir sind froh, dass wir die (schöne) Studentenzeit hinter uns gelassen haben und statt Spezialtoast ein solches Menü geniessen dürfen!

4 – Gerne wieder
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Und wie bewerten andere?

Der Gault Millau bewertet das Restaurant mit 17 Punkten / 3 Hauben.

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Die Kosten:

Der Abend im Vincent summierte sich für 2x 10-Gang Menü, Weinbegleitung, Wasser, Apero und Kaffee auf ca. EUR 370. Ohne die „Upgrades“ für weissen Trüffel und Kaviar käme das ganze auf sehr faire EUR 300.

Restaurant Vincent Wien

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Die Adresse:

Restaurant Vincent

Grosse Pfarrgasse 7

A-1020 Wien

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