Rebellen

“In the mid night hour she cried ‘more, more, more'” sang Billy Idol in Rebels. Nach 12 Gängen und dem einen oder anderen Glas aus der Serie “Rutz Rebell” ist es auch in der Weinbar Rutz Mitternacht geworden. Gerne mehr, mehr, mehr – vielleicht bei anderer Gelegenheit, sonst können wir nicht mehr leichtfüssig heimwärts laufen.

Das Konzept der Weinbar Rutz ist einfach erklärt. Ein einziges Menü, mit bis zu sechs “Inspirationen”, welche jeweils ein Nahrungsmittel zum Thema haben. Das können Pfifferlinge sein, das kann Schweinekinn sein oder auch Schnippelbohne. Jede der Inspirationen besteht aus zwei Erlebnissen, zwei Gängen, welche auf unterschiedliche Weise dieses Nahrungsmittel in Szene setzen.

Der Gast wählt die Anzahl der Inspirationen. Gutem Essen durchaus zugeneigt entschlossen wir uns für das ‘volle Programm’. Dazu gibt es dann entweder die kreative Weinbegleitung (EUR 10/Glas, die Preise für die Weine einzeln gemäss Weinkarte haben wir in Klammer notiert) oder die Qual der Wahl aus der umfassenden und gut bestückten Weinkarte (die Weine zum Mitnahmepreis plus pauschal EUR 18).

Und schon geht es los:

Unser Menü in der Weinbar Rutz in Berlin

0. Grüsse aus der Küche

Zum Einstieg tranken wir einen Champagner Ulysse Collin Extra Brut; ein schöner, trockener Champagner.

0.a Tomatensüppchen:

Tomatensaft, gelleeartig als Süppchen mit Tomaten und Oliven – toller Einstieg!

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0.b Königskrabbe:

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Sehr feine Königskrabe auf einer Gurkencreme, darauf kleine Stückchen von krosser Lachshaut, dazu ein Würfelchen gelierter Sojasauce.

0.c Sparerib:

Weissbier (zum Start anstatt “zum Ende einer Weinverkostung” – keine Süsse, keine Säure)

Ein Sparerip vom Wollschwein (toll, butterzart!) auf Erbsencreme, oben noch ein Stück vom Speck

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1. Goldene Königin & Basilikum

1.a Langostino & Avocado, Gurke

2010 Grauburgunder Rutz Rebell, Holger Koch [Weinkarte: 0.1l EUR 8.50]

Die goldene Königin ist eine Tomatensorte.

In Schälchen Tomate, getrocknete Stücke Tomate (wow), Krabbe, Avocado, Hollunder (?) und Sud von grünen Gurken – tolle Kombination!

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1.b Gänseleber & Manjari, Grüne Mandel

Reinhold Haart Goldtröpfchen 2007 (Wenig Alkohol, hohe Säure, ein wenig Süsse) [Weinkarte: 0.1l EUR 7.50]

Gänseleberterrine, rechts auf der Schiefertafel Ragout von der gelben Tomate mit intesivem, tollen Basilikumsorbet und einer grünen Mande; links eine Art Schokoladencreme von der Manjari Schokolade (Valrohna, mit Bohnen aus Madagaska) und eine Kirsche.

Die Gänseleber harmoniert toll mit der Schokolade. Tomate und Basilikum für sich auch ausgezeichnet, doch können sich diese Elemente gegen die Gänseleber-Schokolade-Kombination nur schwer behaupten.

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2. Joselito Schweinekinn

2.a Raviolo & Buchenpilze, Zitronenverbene

Clemens Busch Riesling trocken 2010 [Weinkarte: 0.11l EUR 6.50) Ein Riesling wie früher – viel Säure, wenig Alkohol; in der Nase Apfelmus und saure Äpfel – spannend!

Dazu das Kinn vom Joselito Schwein, asiatisch angemacht und dann in ein Ravioli verpackt; mit Buchenbpilzen, Silberbart und Koreander. Dazu ein Verbenesud zum nachtrinken. Der Sud ausgezeichnet, das Fleisch im Ravioli schien uns jedoch etwas trocken und fasrig.

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2.b Makrele & Pinienkerne, Paprikaessenz

Riesling Rüdesheimer Berg Rottland Alte Reben 2008, Leitz [Weinkarte: 0.75l EUR 68] Ein kraftvoller und intensiver Riesling

Schweinekinn (wiederum asiatisch inspiriert und mit Schärfe), leicht angegrillte Makrele, Aubergine, Pinienkerne ergaben eine grundsätzlich ansprechende Kombination, doch die Schärfe liess für uns die anderen Komponenten ein wenig verblassen.

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3. Kapuzinerkresse

3.a Gebeiztes Kaninchen & Pulpo, Poverade

Siefersheimer Riesling 2010, Wagner-Stempel [Weinkarte: 0.1l aus der Magnumflasche EUR 8.00] Würziger Riesling mit ansprechender Säure

Der “Hauptdarsteller” Kapuzinerkresse fand sich im ersten Gang im Graupenrisotto (welches auch etwas Rettich/Wasabi-mässige Schärfe aufwies). Butterzart der Pulpo, sehr fein das Kaninchen, gut die Artischoke; alles mit schönen Grillaromen – fein!

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3.b Rochenflügel & Limone, Muschelsud

Ruppertsberger Riesling (Rutz Rebell) 2010, Dr. Bürklin-Wolf [Weinkarte 0.1l Wurzelecht aus Ruppertsberg EUR aus der Mangnumflasche EUR 8.50]

Nun fand sich die Kresse als Creme am Teller. Darauf dann ein ansprechendes Stück Rochenflügel auf einer Art mediteranem Ragout, einige butterzarte Muscheln sowie einige Limonenfilets, welche sich im besten Sinne mit dem Wein “hochschaukelten”.

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4. Schnippelbohne

4.a Querbeet & Grüne Oliven, Leinen

Silvaner trocken (Rutz Rebell) 2010, Wittmann [Weinkarte 0.1l aus der Magnumflasche EUR 8.00] Kräftiger Silvaner

Ein klassischer Bohneneintopf; der Saft der Bohne gab Säure und Lebendigkeit. Darunter (sehr wenig, daher ein wenig untergehend) Kartoffellpüree und Oliven. Ok.

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4.b Spanferkel & Waldmeister, Speckstaub

Riesling trocken (Rutz Rebell) 2010, Battenfeld-Spanier [Weinkarte 0.1l EUR 8.00] Der Wein wurde wie ein Rotwein produziert, mit den Kernen und der Schale in der Maische beim vergären

Sehr fein das Kotlett vom Spanferkel, dazu Speck-“Staub”, Schnippelbohne und Waldmeister-Aromen.

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5. Pfifferlinge

5.a Runzelkarotte & a la Creme, Erbsen

Maximin Grünhauser Abtsberg Riesling Kabinett [Weinkarte 0.1l EUR 6.00] Der Wein mit leichter Süsse / 35g Restzucker

Das Thema sind nun Pfifferlinge, im ersten Gang kombiniert mit einer “Runzelkarotte”, einer 5 Stunden in Butter geschwenkter Karotte. Alle Feuchtigkeit verlor die Karotte in dieser Zeit, das Resultat karottig-intensiv und süss – passend zur Süsse des Weines.

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5.b Wagyutafelspitz & Kohlrabi, Stroganoff

Bastardo (Rutz Rebell) 2010, Nieport [Weinkarte 0.1l EUR 12.50]

Wunderbar die auf separater Schiefertafel servierten zwei Scheibchen vom Wagyu-Tafelspitz. Dazu am Teller der Hauptdarsteller Pfifferlinge, diesmal kombiniert mit Sellerie, Spinat, Kolrabi und einer Stroganoff-Sauce mit feiner Schärfe.

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6. Caragols Olivenöl

6.a Sauerampfer & Erdbeere, Amalfizitrone

Poiré Authentique, Eric Bordolet [Weinkarte 0.1l EUR 9.00] Wohlschmeckender Birnencider mit leichten 3.5 bis 4 Prozent Alkohol

Eine Art geliertes Olivenöl, dazu die Fruchtigkeit und leichte Bitterkeit der Amalfizitrone, Erdbeere und Sauerampfereis – ok.

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6.b Gewürzpfirsich & Thymian, Sauerrahm

Berliner Weisse Am Tisch zubereitete Berliner Weisse: Weissbier mit weisser Pfirsichcreme; gibt Säure zu süssem Dessert. Und somit nach dem Bier zum Gruss aus der Küche auch ein zweites zum Abschluss.

Am Teller ein Weinbergpfirsich, in Orangesaft geschmort mit Tyhmian, ein ausgezeichnetes Sauerrahmeis, ein Balsamicobonbon und mehr – sehr gut!

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Das Finanzielle:

Über EUR 600 für 2 Personen sind zwar kein Discountpreis, doch dem gegenüber stehen ein jeweils ein aufwändig zubereitetetes 12-Gang-Menü mit div. Grüssen aus der Küche vorab 12 Gläser Wein (und Bier)-Begleitung, Wasser und Kaffee.

Unser Küchenreise-Rating:

Uns gefällt das Rutz, wir lieben das Rebellische! “I want more, more, more” – Essen dort macht einfach Spass! Die Inspirationen – ein Lebensmittel steht im Mittelpunkt, und wird in jeweils 2 Erlebnissen, zwei unterschiedlichen Zubereitungsarten dargebracht. Diese überzeugen durch Kreativität und Wohlgeschmack. Die Atmosphäre ist unkompliziert, der Service ausgezeichnet, der Unterhaltungswert ist hoch und die Terasse im Sommer ein Schmuckstück.

Nicht mehr folgen können wir einzig der Weinbegleitung: Toll gewählte Weine, manchmal provokante Speisenbegleiter, welche Spass machen. Doch die Kalkulation – letzen Herbst waren es noch 9 EUR / Glas, jetzt sind es deren EUR 10. Wir sind keine Mathematiker, doch das erscheint uns eher teurer als direkt von der Karte offen geordert.

4 – Gerne wieder
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)


Weinbar Rutz

Chausseestrasse 8
D-10115 Berlin

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