Restaurant Schloss Schauenstein, Fürstenau (CH)

| Juli 14, 2013 | 5 Comments
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kuechenreise

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On Juli 14, 2013
Last modified:Januar 8, 2017

Summary:

Drei-Sterne Häppchenmenü im Märchenschloss

Willkommen im Märchenschloss von Andreas Caminada! In Thusis befindet sich das weithin gerühmte Schloss Schauenstein. Das ist im Schweizer Kanton Graubünden am nördlichen Eingang zur bei Einheimischen gerühmten Via-Mala-Schlucht.

Hier, mit dem Auto etwa 1.5 Stunden von Zürich entfernt, hat Caminada einen raketenhaften Aufstieg hingelegt: Der Erste Michelin-Stern in 2006, der zweite in 2007 und 2010 dann der ersehnte dritte Stern – die höchste Auszeichnung, welche der Guide Michelin zu vergeben hat.

Heute sind wir zu Gast bei Hofe im kulinarischen Märchenschloss. Und wie es sich für jeden anständigen Hof gehört, gibt es natürlich auch einen Hofnarren.

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Er findet sich auf einem Kärtchen, welches wir zu Beginn überreicht bekommen. Und ist der traurigste Hofnarr der Welt. Ja, definitiv, seine bewegende Geschichte wird auf der Rückseite des Kärtchens erläutert. Auch später bekommen wir noch diverse Kärtchen, dann um die Details zu Speisen und Wein zu beschreiben.

Wir trinken unseren Aperitif im im grünen Salon. Ein schöner Ort, um anzukommen, den Alltag beiseite zu schieben und die Karte zu studieren. In unserem Fall gar nicht nötig, wir hatten ja schon vorab das Menü gewählt, welches eigens für für Mitglieder der „Gourmet-Clubs“ von restaurant-ranglisten.de zusammengestellt wurde.

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Alternativ – für die Raucher – gibt es einen weiteren, holzgetäfelten Salon.

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Bei der Anfahrt haben wir gesündigt. Sind früh nachmittags hungrig in Bregenz im Gasthaus Maurachbund (von Heino Huber / Deuring Schlössle) eingefallen. Eine Tafelspitz und ein Cordon Bleu haben die nun weniger. Werden es hoffentlich nicht vermissen…

Und so waren wir in Sorge, vielleicht den Mangen schon zu voll zu haben. Doch, soviel sei vorweggenommen, die (ausgezeichneten) Gänge auf Schloss Schauenstein sind eher kleine Häppchen als kalorienmässig mit einem Cordon Bleu zu vergleichen.

Wenn Sie nun nicht nur ein Gourmet, sondern auch ein Gourmand, ein ‚Vielfrass‘ sind, dann wählen Sie an dieser Stelle doch das Menü mit allen möglichen Optionen. Sie werden es nicht bereuen!

Unser Dinner im Restaurant Schloss Schauenstein in Fürstenau

0. Apérohäppchen

Crémant Blanc de Blancs Brut, Weingut „Zum Ochsen“ Donatsch, Malans / Bündner Herrschaft 2011

Bei einem Glas Crémant aus der Region startet der Reigen der Apérohäppchen. Ein Thunfisch-Rote Beete Cornetto (aussen recht süsslich, doch der Thunfisch fängt das gut ab), eine hervorragende Kopfsalatgazpacho (intensiv-salatig, in grüner Kugel) sowie unspektakuläre Hummerchips mit feinem Dip.

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Als zweiter Gruss dann Gänseleber – Yoghurt, Apfel. Von schönem Schmelz geprägt war die Gänseleber, links als Terrine, rechts als Lolly; das ganze fein kombiniert mit der Lebendigkeit / Säure von frischem Apfel und dem milchigen Joghurt.

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Nun ist es Zeit, in die eigentlichen Räume des Restaurants zu wechseln.

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Unser Tisch ist im modern eingerichteten, „weissen“ Teil; es gibt auch einen zweiten, klassischeren Bereich.

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Der Stil mit der Mischung aus modern/hell und alt/dunklem Holz gefällt uns!

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1. Saibling: leicht gegart, Tatar. Gurke; Röllchen, Relish, Luft. Radieschen; mariniert

Sauvignon Blanc, Adrea Davez, Fläsch / Bündner Herrschaft, 2011

Eine zurückhaltende Kombination, mit der „feinen Klinge“ statt vordergründig plakativer Aromen – unser erster Gang. Am Teller und in einem dazu gereichten Glas paaren sich Saibling, Gurke in verschiedenen Zubereitungsarten und die feine Schärfe von Radieschen.

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2. Bretonischer Hummer. Schinken; Gelee, Crème, Schaum. Pfirsich; grilliert, mariniert

HummerSchinkenPfirsich: Das klingt nach einer feinen Kombination und war auch eine solche! Wiederum treffen am Teller verschiedene Variationen eines Produktes aufeinander. Der Schinken wird etwa als Gelee, Crème und Schaum dargeboten – ausgezeichnet! Der wohlschmeckende Pfirsich ist grilliert (der Deutsche/Österreicher grillt, der Schweizer grilliert) und mariniert.

Der Hummer – hm, da sind wir schwierige Fälle. Und auch dieser war fein, hat uns aber noch nicht zum Hummer-Freak gemacht. Anyway, die Portion war sehr überschaubar und somit viel das nicht (auch im übertragenen Sinne) ins Gewicht. Aber in Summe auf jeden Fall ein sehr gelungener Gang!

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3. Churer Spargel; roh, gekocht. Kopfsalat; mariniert, Granitée. Ztrone, Kalamansi

Chardonnay, Peter Wegelin, Malans / Bünner Herrschaft, 2009

Interessant die nun folgende Kombination: Da ist der Spargel aus dem nahen Chur – roh und hauchdünn sowie gekocht (bei uns am Teller allerdings schon sehr weich) und geschmacklich intensiv. Dazu eine schlichtweg hervorragende Sauce Bernaise mit Säure von der Kalamanis sowie eine eiskalte (für uns zu kalt, die Geschmacksnerven kurzzeitig betäubend) Gratinee-Kugel vom Kopfsalat.

Ein spannender Teller!

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4. Forelle; leicht gegart. Karotte; Röllchen, eingelegt. Rauchfisch; Mousse

Im nächsten Gang geniessen wir wiederum Meisterschaft in der Kombination fein ziselierter Aromen. Eine leicht gegarte Forelle wird mit leicht säuerlich eingelegter Karotte und als dritter Komponente einem Rauchfisch-Mousse kombiniert. Und schon sind wir glücklich!
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5. Langustine; gebraten, knusprig, Tatar. Tomate; mariniert, Praline, getrocknet, Eis

Gang Nummer 5 zeigt wiederum die durch Zubereitung vielfältigen Facetten eines Produktes. Bei der Tomate demonstriert Andreas Caminada in jeder dieser Arten, welch intensive Kraft, welch liebreizenden Wohlgeschmack eine gereifte Top-Tomate haben Kann! Auch die Langustine überzeugt – ob gebraten, knusprig oder als Tatar. Der Fonds dazu ist auch klasse. Dieser Gang ist ein Highlight! DSC03089 DxO

6. Bündner Lamm: gebraten. Sellerie; Crème, geschmort, Ravioli, Zitrone; Confit

Pinot Noir Reserve, Manfred Meier, Zizera / Graubünden, 2009

Wir haben bereits früher von einem „Häppchenmenü“ gesprochen, auch das Bündner Lamm im Fleischgang ist zwar von Qualität und Zubereitung beeindruckend, doch von der Menge sehr minimalistisch. Schade!

En toller Fonds, der erdige Geschmack von Sellerie und die belebende Säure von der Amalfi Zitrone runden diesen geschmacklich tollen Teller ab.
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7. Schokoladensoufflé. Kirsche; Praline, Streusel, Perlen, Blätter. Sherry – Kirschsud. Kakaobohnen; Eis, Crémaux, Crumble

Vor dem süssen Abschluss zunächst noch ein eingeschobener „Extragang“ mit Grapefruit, Litschi, Litschisud und Himbeere – sehr wohlschmeckend! Herzlichen Dank!

 

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Wunderbar dann auch das Schokoladensoufflé (genau so muss ein perfektes sein), dazu Kirsche in verschiedenen Darreichungsformen, Sherry, Eis und Crumble. Toll!

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9. Friandises

Für Kaffee und süsse Kleinigkeiten sind wir nun wieder in den grünen Salon gewechselt, lassen dort den Abend genussvoll ausklingen. Am Tisch befinden sich – in durchaus reichhaltiger Menge – Fruchtgelées / Lollies; Orange, Tonkabohne / Pralinen; Orange, Zitrone / Caipirinha, Nougat / Marsmallows; Johannisbeere / Apfel, Minze / Macaron; Heidelbeere, Joghurt / Verveine / Schokoladengâteau / Quark, Dörraprikose, Mandeln / Himbeer – Rose.

Manches davon ist hervorragend, vieles davon sehr gut; einzig die Geleewürfel sind für uns zu sehr auf der süssen Seite angesiedelt. Und neben Zufriedenheit stellt sich nun auch ein angenehmes Sättigungsgefühl ein.

 

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Als Erinnerung für danach

Zu jedem Menügang und zu jedem Wein haben wir ein Kärtchen erhalten. Platziert in einem kleinen Kärtchenhalter am Tisch geben diese eine kurze Beschreibung der Menükomponenten.

Zum Abschied bekommen wir all diese Menükärtchen gesammelt wieder, dazu ein kleines Einsteckbüchlein zum Aufbewahren mit weiteren Bildern vom Schloss und der kulinarischen Köstlichkeiten von dort. Eine schöne Erinnerung! Und als Wegzehrung ein kleines Säckchen mit Nüssen.

Glücklich und zufrieden gleiten wir in einer Limousine von Schloss Schauenstein zu unserem nahen Hotel. Auch die Zimmer am Schloss sind mehr als empfehlenswert, doch – aufgrund der geringen Anzahl – meist ausgebucht.

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Unser Küchenreise-Rating:

Das Essen auf Schloss Schauenstein war vorzüglich und auf sehr hohem Niveau. Andreas Caminada liebt es, ein Produkt in verschiedenen Variationen zu präsentieren und dabei die unterschiedlichen geschmacklichen Seiten präzise herauszuarbeiten.

Die Qualität der verwendeten Produkte und die technische Umsetzung der Gerichte sind hervorragend. Und die Küche beherrscht die Kunst, auf fein ziselierte Aromen zu setzen und niemals vordergründig oder plump zu werden.

Doch wir regen an, die Portionsgrösse zu überdenken. In einem Gericht schwelgen heisst auch mehrere Bissen der wichtigsten Komponenten zu geniessen. Und wären wir mit leerem Magen gekommen, hätten uns einzig die Friandises davor gerettet, mit leichtem Hungergefühl in das Bett zu gehen. Wobei zugegeben, wir sind gute Esser; andere Gäste mögen die „Leichtigkeit“ des Menüs schätzen.

Das Ambiente auf Schloss Schauenstein nimmt einen vom ersten Moment an gefangen. Wunderschön ist das Schloss, sind die Räumlichkeiten. Toll ist die Gepflogenheit, den Apero vor bzw. den Kaffee nach dem Essen etwa im grünen Salon einzunehmen.

Der Service unter Leitung von Oliver Friedrich besticht mit Freundlichkeit, Charme und Fachkenntnis. Wir haben uns sehr wohl gefühlt!

5 – Unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Wie bewerten andere?

Der Guide Michelin vergibt für die Leistung der Küche 3 Sterne. Im Gault Millau wird das Restaurant mit 19 Punkten ausgezeichnet.

  • Forum Restaurant-Ranglisten.de (2013)
  • DasFilet: Schön war’s (2013)
  • Sternefresser: Die unerträgliche Leichtigkeit des Schauens(t)eins (2013)
  • HighEndFood (2012)
  • Andy Hayler (2011, Englisch)
  • Gourmör (2011)
  • Restaurant Ranglisten Schloss Schauenstein (Fürstenau)

Die Kosten

Das Menü mit regionaler Weinbegleitung kam im Rahmen des „Gourmet Club“ Angebotes von restaurant-ranglisten.de und dem Schloss Schauenstein auf für gerade Schweizer Verhältnisse sehr wohlfeile CHF 626 für 2 Personen.

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Die Adresse

Schloss Schauenstein

CH-7414 Fürstenau

Wie reservieren?

Die Reservation kann per Telefon +41-81-632 10 80 oder via email kontakt@schauenstein.ch erfolgen.

Schloss Schauenstein ist gut gebucht. Nach dem Erhalt des 3. Sternes war 8 Monate im Voraus buchen angesagt; und so wird es noch immer in den Medien kolportiert. Dies ist nur noch die halbe Wahrheit – schön für alle Gourmets!

Gerade bei einem Termin unter der Woche / mittags – probieren Sie es einfach! Und wenn Sie ganz kurzfristig in der Gegend sind – unter dem Punkt „Reservation“ veröffentlicht Schloss Schauenstein immer die noch kurzfristig freien / freigewordenen Tische. Da gibt es auch immer wieder an Samstagen ohne lange Vorlaufzeit gute Gelegenheiten!

 

 

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Category: Fine Dining, Schweiz

Comments (5)

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  1. marco sagt:

    Ein toller Bericht aus dem schönen Schlösschen Schauenstein! Ich war erst vor einigen Wochen dort und hatte das selbe Menu genossen! Mein Highlight war der Spargelgang und die Langustine! Und bei den Friandises habe auch ich danach noch kräftig zugelangt 😉

  2. Tönt ja wunderbar! Ich gehe am kommenden Sonntag auch hin und freue mich schon sehr darauf. Dank euch ist nun die Vorfreude noch grösser:-)

  3. Jutta Schori sagt:

    Es war wie im Himmel mit Millionen Sternen. Total begeistert, der Service sehr aufmerksam aber diskret. Danke Herr Caminada und seine Leuten, es war himmlisch. Auch die Suiten Luxus pur.

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