Restaurant De Karmeliet, Brügge (BE)

| August 11, 2014 | 1 Comment
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4
On August 11, 2014
Last modified:Mai 6, 2017

Summary:

Sterne-Abonnement

Die Idee einer „Sternereise“ weckt ungeahnte detektivische Instinkte in uns. Eine Menge Fragen gilt es zu recherchieren.

Manche dieser Fragen sind einfach zu beantworten („Welche 3-Sterne-Restaurants gibt es in Belgien?“). Manche sehr kompliziert („Wo Sonntagabend in Antwerpen gut essen?“).

Und auch einfaches ist manchmal kompliziert: So fanden wir über zwei der Belgischen 3-Sterner, das Hof van Cleve (Bericht folgt) und das Hertog Jan (während unserer Reise geschlossen) jede Menge Informationen. Über den dritten, das De Karmeliet in Brügge, so gut wie gar nichts.

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Schon deshalb müssten wir dort haltmachen und das Restaurant in einem wunderschönen historischen Stadthaus von Brügge besuchen!

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Seit 1992 verwöhnt dort Chef Gert Van Hecke und sein Team mit klassisch-französischer Küche seine Gäste; seit 1996 ist er durchgängig mit 3 Michelin-Sternen ausgezeichnet. Ein Sterne-Abonnement seit mittlerweile 18 Jahren quasi!

Unser Dinner im Restaurant De Karmeliet in Brügge

Bei einem Glas Champagner haben wir die Karte studiert und uns im Restaurant umgesehen.

Klassisch-konservativ ist das Ambiente, doch erfrischend unkompliziert ist der Service. An einem der Nachbartische ein älteres belgisches Ehepaar, an einem anderen eines aus Korea auf Genussreise durch Europa. Die beiden unterhalten sich in Englisch und mit Händen und Füssen begeistert über tolle Restaurants. Es scheint, als sind wir hier am richtigen Platz!

Und so entschliessen wir uns zum grossen ‚Brugge die Scone‘ („das schöne Brügge“) Menü mit 7 Gängen und wählen dazu die Weinbegleitung. Ein schöner Abend möge beginnen!

Grüsse aus der Küche

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Zunächst erhalten wir einen Teller mit paar selbstgemachte Kartoffelchips mit ein wenig Käse darüber gereicht. Das hilft über den ersten Hunger, doch gute Kartoffelchips gibt es mittlerweile häufiger und diese zu geniessen war auch nicht das Ziel unserer Reise. (-/10)

Doch dann folgen famose Kleinigkeiten – Lachs, Hummer, ein MandelsüppchenTomaten und mit Mozzarella, einer Zucchiniblüte, Zucchini und Kräutern sowie eine wunderbar intensive Tomaten-Oliven-Tarte versetzen uns gedanklich ans Mittelmeer. Hier überzeugt der intensive, unverfälschte Geschmack der Produkte! (9/10)

Blue lobster, marinated tomato ‚Coer de boeuf‘ with dried fruit and spices, baby squid

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Auch der nächste Gang überzeugt mit produkt-fokusierter Küche: Der butterzarte Hummer und die kleinen Tintenfische harmonieren mit der Intensität der Tomaten und  den Blüten; das ganze wird ergänzt mit einer feiner Pfefferschärfe. (8/10)

Red mullet and bouchot mussels, red rice from Camargue and fennel

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Das nun folgende Gericht versetzt uns gedanklich irgendwo nach Süd-Frankreich. Die Hitze scheint zu flirren, irgendwo in der Ferne ist das Meer; und am Teller Fisch.

Zumindest sommerlich-schön ist es auch in Brügge. Am Teller eine Rotbarbe – gut, doch nicht zu Begeisterungsstürmen hinreissend. Dafür waren die Muscheln butterzart gegart und einfach vorzüglich. In Kombination mit der leichten Bitterkeit des Fenchels und einem feinen Sud war das gelungen, wenn auch nicht so überzeugend wie der erste Gang. (7/10)

Green aspargus from the Provence, ‚grenaille‘ potatoe and quail egg with a crust of ham, salmon ‚label rouge‘ marinated with tandoori

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Grüner Spargel aus der Provence steht im Mittelpunkt des nächsten Tellers: Kombiniert wird dieser mit Kartoffeln, mit einem in einer Speckkruste angebratenen Wachtelei, kleinen Röllchen vom Rohschinken und einem vorzüglichen marinierten Lachs.

Aromatisiert wird das ganze mit Tandori, welches eine exotische Note und eine leichte Schärfe gibt und die Elemente wunderbar miteinander verbindet. (8/10)

Roasted langoustine and goose liver, marinated eggplant, infusion of seaweed and lemon

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Spannend bleibt es auch beim nächsten Gang: Hauptdarsteller ist ein Kaisergranat. Dazu gibt es Würfelchen von einer der vorzüglichsten und geschmacksintensivsten Aubergine, welche wir uns vorstellen können und solche von vorzüglicher angebratener Gänseleber.

Eine ungewöhnliche Kombination – ja, doch sie funktioniert! Ein Dashi-Sud mit Zitronengras verbindet Schmelz und Röstaromen von Gänseleber, den Geschmack der Aubergine und die Aromen der Langoustine zu einem wunderbaren, asiatisch inspiriertem Ganzen. (8+/10)

 

Duck from the Dombes, sauce with beer ‚Kriek‘, cherry and melon, the neck stuffed with pistachio, garden peas

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Reduziert und auf die Qualität der Zutaten fokussiert ist der nächste Gang: Geschmacklich einnehmende Ente, die Süsse von Kirschen, Melone, Pistazien und Gemüse. Gelungen. (7/10)

The cheese trolley, crystallized fruit in crust of bread

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Wir lieben die Tradition des Käsewagens, welche heutzutage leider immer seltener (nachgefragt) wird. Und fühlen uns daher sofort wohl, als wir den Duft von gereiftem Käse riechen, als wir das Rumpeln des Wagens herannahmen hören.

Die Auswahl im De Karmeliet ist gross und gut. Und mit den von uns gewählten Sorten sind wir mehr als zufrieden!

Dessert creations with fruits and chocolate

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Erdbeere, Basilikum und Rhabarber – das sind die drei Geschmäcker, welche beim Dessert in intensiver und sich gut ergänzender Form aufeinandertreffen. Frühsommerlich-erfrischend, einzig schade, dass der Rhabarber auf unserem Teller sehr faserig wirkte. (7+/10)

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Und schliesslich versüssen uns einige Petit Fours dem Abschied. Wie schön, dass unser Weg heute Abend nicht weit ist!

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Unser Küchenreise-Rating

Die Küche von Gert van Hecke ist produktorientiert und klassisch mit mediterranem Einschlag. Die Gerichte sind erstklassig, die Zusammenstellungen kreativ und harmonisch. Die Qualität der Zutaten ist vorzüglich, die technische Umsetzung gleichfalls perfekt.

In Summe bietet das De Karmeliet in Brügge eine Wohlfühlküche ohne absolut sensationelle Höhen, jedoch auch verlässlich ohne jegliche Tiefen. Immer an der vordersten Front der kulinarischen Entwicklungen ist man hier bewusst nicht, doch das „Sterne-Abo“ ist auch nicht unverdient.

Das Ambiente mag auf den ersten Blick etwas steif wirken, der angenehm entspanne Service bringt jedoch eine fröhliche Lockerheit in die Räume. Wir haben uns sehr wohlgefühlt! Einzig die Musikberieselung im Hintergrund ist Geschmacksache.

4 – Gerne wieder 

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Wie bewerten andere?

Der Guide Michelin zeichnet das Restaurant De Karmeliet in Brügge mit 3 Sternen aus. Der Gault Millau bewertet die Küche mit Chef Gert van Hecke mit 18 Punkten.

Blogroll – was schreiben andere?

Das Finanzielle

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Der Preis für das ‚Brugge die scone‘ Menü beträgt gehobene EUR 210. In Summe haben wir für 2 Personen für Menü, Champagner vorab, Weinbegleitung, Wasser und Kaffee EUR 668,- bezahlt.

Die Adresse

De Karmeliet

Langestraat 19

BE-8000 Brügge

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Category: Belgien, Europa, Fine Dining

Comments (1)

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  1. Harko Jenshen sagt:

    Fine or Casual ? Dining ?? De Karmeliet
    Lese Ihre gut umfassenden Berichte sehr gerne im RR
    MfG
    H.Jenshen

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