Comeback Kid

In Amerika würden sie diese Story lieben: Die Geschichte vom steilen Aufstieg und vom tiefen Fall eines Sternekochs. Und wie dieser dann nicht am Boden liegen bleibt, sondern es mit harter Arbeit und viel Einsatz wieder zurück ganz an die Spitze schafft.

In Deutschland ist das so eine Sache mit solchen Geschichten. Der Aufstieg von Markus Semmler Ende der 90er Jahre war wohl zu exaltiert für hiesige Verhältnisse.

Unter anderem hat er dem ersten deutschen „It Girl“ Ariane Sommer durch ein Bad in seinem Schokomousse zu Popularität verholfen. Er hat, so liest man, für Robert de Niro wie auch für Sabine Christiansen gekocht und gar das Menü für die Hochzeit der Tochter von Wolfgang Joop kreiert.

Und jung erhielt er den ersten Michelin-Stern. Hat sich dann selbständig gemacht mit dem Mesa am Lützowplatz und dieses Restaurant zu einem ‚In Place‘ zur damaligen Zeit gemacht. Hat dann expandiert, doch sich mit einem zweiten Restaurant übernommen.

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Mehr als 10 Jahre waren dann dem Schulden abbauen und dem Aufbau einer Cateringfirma gewidmet. Abseits von Öffentlichkeit und Party. Doch nun ist Markus Semmler, das Comeback Kid, wieder mit eigenem Restaurant zurück.

Ohne Schokomousse-Wanne und ohne zu viel an schriller Prominenz. Dafür mit klassischer, nicht über-aufgeregter Küchenlinie.  Ein Comeback, welches auch zum Rahmen deutscher Erwartungen passt. Und dennoch spanend – welcome back!

Unser Dinner im Markus Semmler – Das Restaurant in Berlin

Einem glücklichen Zufall ist es geschuldet, dass wir eines Abends sehr kurzfristig im ‚Das Restaurant‘ von Markus Semmler einkehren können. Wir kommen später am Abend und sind dankbar, dass wir noch bekocht werden.

Und wünschen uns dennoch ein mehr an Leben – die Paare an den zwei oder drei anderen besetzen Tische verlassen allesamt schon deutlich vor 10h wieder das Lokal.

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Neben einigen à la Carte Empfehlungen bietet die Küchencrew auch ein mehrgängiges „kohlenhydratarmes“ Menü an; wir entschliessen uns diesem in der 5-Gang Variante.

Zum Start erhalten wir Zitronenfocaccia (mit Fenchelsalami)?, ein Ziegenkäseeis mit Olivenöl sowie einen Aufstrich: Die Zitrus-Noten und die Temperaturkontraste sorgen für einen erfrischenden und feinen Einstieg.

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Gruss aus der Küche

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Auch beim Gruss aus der Küche – gegrillte Melone mit Melonensalat, warmen Schafkäse-Stückchen und einem Melonensorbet – gefallen die Temperaturkontraste. Ein nicht übermässig komplexer, doch leichtfüssiger Start, welcher auch im Sommer ein perfekter Einstieg in ein Menü wäre. (6/10)

Schwertfischcarpaccio, Wildkräuterdrops, schwarzer Knoblauch, Radieschen

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Klassisch und auf das Produkt fokussiert ist das nun folgende Gericht: Ein Carpaccio vom Schwertfisch ist mit hauchdünnen Scheiben vom Radieschen belegt, diese geben dem Gang Frische, Knackigkeit und einen Tick Schärfe.

Kräutige Noten steuert der innen flüssige Drop mit Wildkräutern bei, recht dominant ergänzen die Tupfen vom fermentierten schwarzen Knoblauch. (6+/10)

Wildwassergarnele, Topinamburcreme, Enokipilze, Sojareduktion

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Die Nebendarsteller dieses Gerichtes, die nussigen Enokipilze und die intensive Sojareduktion, sind für uns der eigentliche Wow-Effekt des Ganges  und gefallen mit tiefgründigem Geschmack! Die Garnele und die leicht süssliche Topinamurcreme geraten da leicht in den Hintergrund. Am Teller befinden sich weiters Zitrusfrucht-Tupfen, welche gut mit dem Gericht und dem Wein harmonieren (7+/10)

Rochenflügel, geschmolzene Tomate, Kapern, Kartoffel-Kräuter-Kräcker

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Der nächst Gang versetzt uns in mediterrane Welten: Ein Rochen wird kombiniert mit geschmolzenen Tomaten, getrockneten Tomaten, schwarzen Oliven, Kapern und Kartoffel-Kräuter-Kräckern. Am Tisch wird eine intensive Tomatenessenz angegossen.

Wir geniessen die intensiven Aromen, mit welchen allerdings der Fisch nicht ganz mithalten kann. (6+/10)

Wildperlhuhnbrust, Pfifferlinge, Lardo, Schnittlauch

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Die nun folgende Brust vom Wildperlhuhn wird geschmacklich durch eine dünne Schicht Lardo (welcher sich allerdings nur schwer teilen lässt) bereichert. Dazu gefallen Kartoffeln, Pfifferlinge, ein feiner Fonds sowie mit Schnittlauch aromatisierte „Tupfen“ (7/10)

Pfirsich, Himbeere, Ziegenfrischkäse, geräucherter Tee

Reichlich ist dann das (nicht im Bild festgehaltene) Dessert: Pochierter Pfirsich mit Schaum vom Ziegenfrischkäse, Pfirsich-Creme, Himbeeren und Eis von geräuchertem Tee. Ein klassisch angelegtes, fast schon überladenes Dessert; geschmacklich intensiv und an vergangene Zeiten erinnernd. (6/10)

Petit Fours

Den süssen Abschluss bilden dann einige Petit Fours.

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Unser Küchenreise Rating:

Die Küche von Matthias Semmler ist klassisch geprägt, stellt das Produkt in den Mittelpunkt und versteht es, auch kräftigere Geschmacksnoten zu setzen.  Die technische Umsetzung ist präzise und detailgenau. Wir haben an diesem Abend keine spektakulären kulinarischen Innovationen gegessen oder eine Leistungsshow der jüngsten Küchentrends und -techniken genossen, sondern uns einfach wohl gefühlt.

Der Service mit Restaurantleiterin Andrea Güttes ist exzellent. Die Weinbegleitung war preislich fair, hat jedoch mit gut gewählten und perfekt zu den Speisen harmonierenden Weinen überrascht und überzeugt.

Wir wünschen dem Comeback-Kid Markus Semmler weiterhin viel Erfolg!

4 – Gerne wieder 

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Wie bewerten andere?

Der Gault Millau bewertet die Leistung der Küche von Matthias Semmler mit 16 Punkten. Der Gusto stuft das Restaurant in Berlin mit 6+ Pfannen ein.

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Blogroll – was schreiben andere?

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Das Finanzielle

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Für das 5-gängige Menü, Champagner vorab, die Weinbegleitung, Wasser und Espresso haben wir in Summe ca. EUR 320,- bezahlt.

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Die Adresse

Markus Semmler – „Das Restaurant“

Sächsische Strasse 7

D-10707 Berlin (Wilmersdorf)

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