Perspektivenwechsel: L’atelier de Joël Robuchon ***, Hong Kong

| April 13, 2015 | 2 Comments
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On April 13, 2015
Last modified:April 13, 2019

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Französisches Savoir Vivre trifft auf chinesisch-internationale Business-Welt

So ungefähr 16 Restaurants mit in etwa 28 Guide Michelin-Sternen betreibt der König der Sterne, Joël Robuchon, rund um die Welt. Gleich mit deren drei ist die Dependance in Hongkong, das dortige L’atelier de Joël Robuchon ausgezeichnet.

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Bei einem solchen Restaurant kann man zweierlei Massstab anlegen: Wie ist die Küchenleistung im Vergleich zu anderen 3-Sterne-Restaurants global? Oder alternativ: Wie ist das Gesamterlebnis in Hong Kong’s Restaurantlandschaft? Wir entscheiden uns zu einem Perspektivenwechsel.

Unser Lunch im Restaurant  L’atelier de Joël Robuchon in Hong Kong

Über eine schwarze Rolltreppe fahren wir hoch in das Rot-Schwarze Reich von Joël Robuchon, dessen avantgardistisches schwarz-rotes Design an eine gelungene Mischung von französischer Eleganz mit einem psychedelischem ‚Alice im Wunderland‘-Touch erinnert.

In Mitten des Restaurants die grosse offene Küche, in welcher selbst Details nicht nur funktional orientiert sind, sondern – wie etwa  farblich sortierten Paprika – auch ästhetischen Kriterien genüge tun müssen.

Wir nehmen unsere Plätze an der langen Bar rund um die offene Küche ein. Das Restaurant hat zwar auch Tische (Le Jardin), doch für ein Essen in kleiner Gruppe empfehlen wir unbedingt die Bar. Die Aktivitäten des Küchenteams rund um Executive Chef David Alves lassen sich dort wunderbar beobachten und steigern die Vorfreude!

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Mittags wird hier unter anderem ein Lunch-Menü serviert: Drei bis fünf Gänge inklusive Kaffee und Petit Fours zum Abschluss (ca. EUR 80 bis EUR 110); jeder Gang kann aus einigen Optionen gewählt werden. Nach kurzer Nacht, müde und mit Jet Lag entscheiden wir uns für deren drei Gänge.

Gruss aus der Küche

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Als Einstieg erhalten wir Glas mit Zwiebel-CremeZwiebel-Mousse und Zwiebel-Schaum – fein abgeschmeckt – und einen mit Wurst und Zwiebeln gefüllten Samosa (etwas zu fest). (6/10)

Uns gefällt die Atmosphäre hier. Die lebendigen Stimmen der Gäste an der Bar neben uns. Das Lachen, die Freude über das gute Essen.

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Grossartig und bei den allerbesten in Hong Kong ist die Brotauswahl.

LA LENTILLE verte du Puy en fin velouté à la cardamone, lard paysan et petits croûtons dorés

French green lentil “veloute” with cardamom, bacons and croutons

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Die nun folgende Suppe aus grünen Linsen war perfekt mit ein wenig Kardamom abgeschmeckt, kleine Speckstückchen und geröstete Croutons bereicherten den Geschmack und die Textur. (6+/10)

LE BŒUF en gelée aux fins aromates et sa mousseline de cèleri au wasabi

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Ganz klassisch dann der nächste Gang: Ein Rindfleischsalat – das Fleisch ist von der Backe – wird mit Gürkchen und Zeller angerichtet, dazu Rinder-Gelee, eine geröstete Brotscheibe und als geschmacklicher Kontrapunkt eine Creme mit Knollensellerie und dezentem Wasabi.

Nicht komplex, nicht aussergewöhnlich – und doch perfekt umgesetzt und purer Wohlgeschmack. (6+/10)

Immer wieder blicken wir fasziniert in die offene Küche. Konzentriert und fokussiert werden hier die Speisen zubereitet, angerichtet; fast wortlos und ohne jede laute Artikulation. Kleine Kunstwerke entstehen vor unseren Augen. Dazwischen immer wieder der Ton der Klingel, welche den Service herbeieilen lässt, der die Gerichte aufnimmt und sie dann über die Bar den Gästen reicht.

LA SAINT JACQUES les noix sur un velouté de potiron, rouelles de betterave au poivre Malabar concassé

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Zweite Vorspeise ist eine Kürbissuppe mit sautierten Jakobsmuscheln und roter Beete; gleichfalls eine gelungene Kombination! (7/10)

An einem Wochentag mittags in Hong Kong – viele Geschäftsleute um uns. Hong Kong Chinesen wie Expats aus einer Vielzahl von Ländern. Doch während die Atmosphäre in manch anderem internationalen und gehobenen Restaurant in der Stadt auf Status, auf „Zeigen, was man hat“ und dem „sehen und gesehen werden“ liegt, wirkt hier alles ein wenig relaxter. Französischer.

Das schwarz-rote Interieur, die offene Küche und die Tische an der Bar schaffen es, das Setting wohltuend zu verändern!

LA SOLE les filets en tempura croustillante, sauce tartare relevé au yuzu et coriandre

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Die in Tempura-Teig knusprig herausgebackenen Seezungenfilets, begleitt von Salat, einer Sauce Tatar mit Yuzu und Koriander sowie wunderbarem Kartoffelpüree sind gefällig, aber auch nicht mehr. Der Fisch kommt im Teig nicht richtig zur Geltung, der Salat ist doch gar etwas „einfach“. (5+/10)

Vor uns werden gerade 4 Portionen eines Spargelgerichtes finalisiert, rechts neben uns wird nochmals Champagner angerichtet, links parlieren zwei französische Expats über ihre Heimat. Vive la France!

LE CHOCOLAT TENTATION glace au chocolat Guanaja, sur une crème au chocolat et son sablé

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Sehr gelungen dann jedoch die Trilogie von der Schokolade: Guanaja-Schokoladeneis wird mit Schokoladencreme und Schokoladenkeks kombiniert. Intensiver Schokoladengeschmack, doch ist das Gericht gleichzeitig texturell abwechslungsreich aufgebaut und wirkt nicht eindimensional oder schwer (7+/10)

LES FROMAGES affinés par nos soins

Fine French selection of cheese platter

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Hong Kong ist kein Käseland, doch die Auswahl der Käse ist im L’atelier de Joël Robuchon über jeden Zweifel erhaben. Eines französischen Restaurants würdig. Diese haben ja ohnedies die wichtige Aufgabe, so finden wir, Käsebotschafter des Landes zu sein!

Einzig der nicht so grosse Hunger hindert uns, so richtig zuzugreifen! (7/10)

Café ou thé et ses mignardises

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Den Abschluss des Menüs bilden dann einige süsse Kleinigkeiten zum Kaffee. Unsere Frankreich-Reise neigt sich dem Ende zu.

Drei Guide Michelin-Sterne? Nein, zumindest der Lunch, das war für uns keine drei Sterne. Doch hat uns das gestört? Heute absolut nicht. Es war schmackhaft, die Atmosphäre war grossartig, der Rahmen hat gepasst. Alles eine Frage der Perspektive! Jederzeit wieder ein Lunch, oder vielleicht auch mal ein Dinner, wenn sich die Gelegenheit ergibt…

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Unser Küchenreise Rating

Die Küche im L’atelier de Joël Robuchon in Hong Kong ist handwerklich präzise und akkurat, die Gerichte haben eine starke klassische Basis, überzeugen jedoch auch mit kreativen Akzenten. Bei unserem Lunch waren die Speisen eher weniger komplex, doch sehr wohlschmeckend angelegt. (7/10)

Die Atmosphäre ist entspannt, der Service grossartig und das Ambiente aussergewöhnlich im positiven Sinne.

Wir wechseln daher die Perspektive, verzichten auf einen Kommentar zu den drei Michelin-Sterne des Restaurants im Quervergleich zu anderen so bewerteten Restaurants und schlussfolgern: Ein Wiederbesuch bei anderer Gelegenheit ist auf Grund der Atmosphäre sehr wohl angesagt!

4 – Gerne wieder 

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Wie bewerten andere

Der Guide Michelin bewertet die Küchenleistung des Teams um Executive Chef David Alves im L’atelier de Joël Robuchon in Hong Kong mit drei Sternen.

Was schreiben andere?

  • L’Atelier de Joël Robuchon (Miss.Neverfull, 2014)
  • L’atelier de Joël Robuchon (Nic Nat World, 2014)
  • Berichte auf OpenRice

Das Finanzielle

Unser Lunch im L’atelier de Joël Robuchon hat uns für 2 Personen knapp über EUR 200 (inkl. 10% service charge), gekostet.

Die Adresse

L’atelier de Joël Robuchon

Shop 315, 334 & 401, Landmark Atrium

Central, Hong Kong

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Category: Fine Dining, Hong Kong, Hong Kong Special, International

Comments (2)

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  1. GlobeTraveller sagt:

    Wie vergleicht sich das Atelier mit anderen Ateliers aus der Gruppe?

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