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On Mai 14, 2015
Last modified:Mai 6, 2017

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Hong Kong ist in die Höhe gebaut, nicht in die Breite. 80 Prozent sind grün, der Rest dafür Wolkenkratzer. Und dort, ganz oben im Himmel von Hong Kong, dort ist Japan.

Wie immer am Samstag Abend staut es sich in den Strassen von Hong Kong. Und wie so oft im Frühjahr hängt der Nebel über der Stadt. Quälend langsam kommt unser Taxi voran, und schon von weitem sehen wir, der Himmel ist irgendwo im Nebel versunken.

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Der Himmel, das sind die oberen Etagen des International Commerce Centre, mit 118 Stockwerken das höchste Gebäude der Stadt. Der Himmel, das ist das japanische Restaurant RyuGin, in der 101. Etage direkt unter dem Ritz Carlton.

Das RyuGin in Tokio ist vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet. Der Ableger in Hong Kong ist eine Art Paralleluniversum, alle Zutaten werden täglich frisch aus Japan eingeflogen.

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Irgendwann sind wir dann endlich angekommen und betrachten an unserem wunderschönen Fenstertisch bei einem Glas Champagner durch die raumhohen Fenster die Aussicht in den dicken Nebel.

Unser Dinner im Restaurant RyuGin in Hong Kong

Zur Wahl der Speisen müssen wir uns heute keine grossen Gedanken machen, das RyuGin bietet ein zehn-gängiges Kaiseki-Menü (ca. EUR 270/Person) an.

Die Weinkarte ist, wie leider oft in Hong Kong, sehr überschaubar, teuer und auf das Segment der „grossen Namen“ fokussiert. Ergänzt wird diese jedoch um eine Auswahl an hochwertigen Sakes und an Premium Teas.

Wir entscheiden uns für einen Puligny Montrachet 1er Cru „Les Pucelles“ aus dem Jahr 2011 (Ladenpreis knapp EUR 100, im Restaurant ca. EUR 270) von Henri Boillot, einem viel gepriesenen Winzer aus dem Burgund und sind mit unserer Wahl zufrieden.

Deep fried sea urchin from Hokkaido wrapped in seaweed

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Als Start erhalten wir Seeigel, welcher in Algenblättern und Reispapier kurz frittiert wurde: innen noch fast roh ist.

Die Frische, die leichte Süsse und cremige Konsistenz des Meeresgetiers harmoniert wunderbar mit der leicht krossen Hülle – ein gelungener Einstieg! Und ein Gericht, welches auch bei den Gästen gut anzukommen scheint: Seit der Eröffnung des HK RyuGin vor einigen Jahren steht es immer wieder auf der Karte. (7+/10)

Spring vegetables medley with abalone and Hokki clam served with grapefruit sorbet

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Ein Kaiseki Menü nimmt immer Bezug auf die Saison, auf die Jahreszeiten. So erhalten wir nun Frühlingsgemüse mit Abalone, Hokki-Muschel und Grapefruit-Sorbet.

Die verschiedenen Gemüsesorten waren perfekt auf den Punkt zubereitet, japanisch-dezent gewürzt und mit leichter Bitternote. Die Abalone gefiel durch ihre zarte Konsistenz. Das Sorbet von der Grapefruit war mit seiner schönen Bitterkeit ein sehr bereichernder Kontrast für das Menü. Ein hervorragender Gang! (8+/10)

„Black custard“ with Hotaru baby squid

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Nun wird uns eine Schale mit einer gedämpften Eiercreme / Eierstich gebracht. Dieser ist unter anderem mit Dashi zubereitet, Ponzu gibt einen Hauch von Säure und Lebendigkeit, darauf befindet sich eine dünne Schicht aus Sepia-Tinte. Grossartig dazu ist der butterzarte Baby-Tintenfisch sowie die leichte Schärfe und Knackigkeit der Radieschen-Scheiben. (8/10)

Charcoal grilled Amadai soup, Shimonita leek and winter turnip

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Wunderbar erdig, komplex und tiefgründig die Suppe mit Lauch und Stechrübe, gleichfalls gelungen der über Holzkohle gegrillte, innen noch glasige Amandai-Fisch. (8+/10)

Assortment of sashimi

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Auf einer mit Salz kunstvoll verzierten Holzplatte werden nun Sashimi gebracht; alle Zutaten wurden direkt aus Japan eingeflogen.

Der japanische Heilbutt gefällt uns mit seiner weichen Konsistent und einem Hauch von frischem Wasabi. Der Bigfin Reef Squid (Grossflossen-Riffkalamar) ist eine Spur fester in seiner Konsistenz und wird von mariniertem Seegras begleitet. Ganz vorzüglich ist dann der Yellowtail – butterzart, leicht von Fett durchwachsen und wunderbar im Geschmack.

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Charcoal grilled Alfonsino covered with roasted rice

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Der gegrillte Kaiserbarsch (oder Alfonsino, angeblich wegen einer gewissen Ähnlichkeit zu einem spanischen Herrscher) ist auf der Holzkohle gegrillt, schön saftig, buttrig und geschmacklich hervorragend! Er ist mit einer Schicht von geröstetem Reis belegt, die Textur und der leicht karamellige Geschmack desselben gibt dem Gericht noch den gewissen Extra-Twist.

Obgleich dieser Gang einer der „einfacheren“ ist, ist er in Produktqualität, Umsetzung und Geschmack schlichtweg perfekt! (9+/10)

Wagyu ribeye sukiyaki with onsen tamago

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In einer Schale erhalten wir dann ein Sukiyaki mit fettreichem, intensiven Wagyu-Ribeye, eine Wagyu toll geschmacksintensiv, einem wunderbar weichem Onsen-Ei, Zwiebeln und Gemüse. Wunderbar rund, ein Wohlfühlgericht allererster Klasse! (8+/10)

Rice cooked with „Sakura leaf“ topped with deep fried „Sakura Shrimp”

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Gleichfalls grossartig dann die frittierten kleinen Krabben auf Reis – knackige Textur, toller Geschmack! Dazu wird unter anderem eine intensive Miso-Suppe gereicht. (9/10)

RyuGin Speciality -196˚C mandarin candy and +99˚C mandarin jam

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Ein Klassiker im RyuGin (wenn auch immer wieder leicht variiert) ist das nun folgende erste Dessert: Eine „Mandarine“ aus dünnem Zuckerguss, innen Mandarinencreme wird – auf -196 Grad abgekühlt – an den Tisch gebracht. Darunter befinden sich Pop Rocks, das sind sind die kleinen Zuckerstücke mit eingeschlossenen CO2-Bläschen, welche auf der Zunge dann so schön „poppen“.

Die Mandarine wird dann am Tisch aufgeschlagen, darüber werden dann heisse Mandarinen (+ 96 Grad) gegossen. Das Resultat ist ein angenehm-dezent-mandariniges Spiel von Temperaturen und Texturen mit süsslichem Geschmack und einer leichten Bitternote. (8/10)

Almond ice cream with strawberry and sweet red beans covered with meringue

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Ansprechend dann auch der Abschluss des Menüs: Unter einer Meringue-Halbkugel befinden sich Mandeleis, rote Bohnen und Erdbeeren, oben darauf Erdbeer-Puver. Das gibt erneut ein Spiel von Texturen und Temperaturen wie auch einen angenehmen Kontrast von Süsse des Eises und der roten Bohnen sowie der Lebendigkeit der Erdbeeren. (8/10)

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Unser Küchenreise Rating

Auch wenn der japanische Himmel von Hong Kong im Nebel lag und die Aussicht aus dem 101. Stock des ICC dementsprechend nicht der Rede wert war: Das Kaiseki-Menü im RyuGin hat uns voll und ganz überzeugt und gehört zu den Besten unserer kulinarischen Erlebnisse in der Stadt.

Filigrane Aromen, schöne Kompositionen, die grossartige Produktqualität wie auch die Perfektion bei der Umsetzung begeisterten uns immer wieder. (8+/10)

Muss man nach Hong Kong fahren, um gut japanisch zu essen? Nun, soll man in London französisch dinieren oder in Deutschland bei Tim Raue essen? Wir haben das Menü im RgyGin sehr genossen und uns kulinarisch wie im japanischen Himmel von Hong Kong gefühlt!

Nicht so richtig begeistert waren wir vom Ambiente und vom Service. Schon schön, aber auch irgendwie ein wenig steril und luxeris-lieblos die Räumlichkeiten – allzu viel „Gemütlichkeit“ kommt hier nicht auf. Der Service zwar kompetent und korrekt, doch auch hier vermissen wir den Charme und die Weltläufigkeit.

4 – Gerne wieder 

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Kurz nach unserem Besuch wurde bekannt, dass HeadChef Hideaki Sako das Restaurant verlässt und plant, ein neues Restaurant, das „Ta Vie“, zu eröffnen. Die Küche wird übernommen von Hidemichi Seki, welcher seit 2003 im japanischen RyuGin gearbeitet hat und seit 2012 Sous Chef im RyuGin in Hong Kong war.

Wie bewerten andere

Der Guide Michelin bewertet die Küche des Restaurant RyuGin in Hong Kong mit Chef Hideaki Sato mit zwei Sternen.

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Das Finanzielle

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Für das Menü für zwei Personen, Wasser und Wein haben wir in Summe immerhin fast EUR 900,- bezahlt.

Die Adresse

Restaurant RyuGin

101/F, ICC

Austin Road West, Kowloon

Hong Kong

2 KOMMENTARE

  1. Schade, daß die Aussicht so schlecht war – muss sonst noch beeindruckender sein!

    Beim Fisch war der Reis oben drauf, verstehe ich das richtig? Wie bekommt man das hin?

    • Danke, Clara. Wir hätten liebend gerne die Aussicht von dort oben genossen!

      Zum Fisch: Ja, der hatte oben drauf eine Schicht von geröstetem Reis, das hat ganz wunderbar gepasst. Wie man das küchentechnisch hinbekommt, gute Frage… Vielleicht hat ein anderer Leser eine Idee?

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