An einem sonnigen Frühlingstag führt mich mein Weg nach Abre in den belgischen Ardennen. Vom bezaubernden Städtchen Dinant kommend folge ich dem Fluss Maas, setze nach einigen Flusswindungen links den Blinker und folge einer beschaulichen Landstrasse.
Die Vögel zwitschern, das Wasser im Bach neben der Strasse plätschert vor sich hin – “Kitsch as Kitsch can”. Und da ist auch schon die schck hergerichtete alte Mühle, in welcher sich das vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnete Restaurant L’Eau Vive befindet.
L’Eau Vive – lebendig, bewegt ist das Wassser hier. Doch noch ahne ich nicht, dass ich diese Lebendigkeit im Menü vermissen werden.

Das kleine und heimelige Restaurant ist heimelig und schon bald sind alle Tische besetzt. Viele der Gäste, soigniert und reich an Lebenserfahrung, wirken wie Stammgäste. Es wirkt, als kennt man kennt sich, ist vertraut mit der Küche von Chef Pierre Résimont und weiss genau, weshalb man hier eingekehrt ist. Auch mir gibt der Service ein Wohlfühl-Gefühl, auch wenn ich mich ein wenig wie der Neuling hier fühle.
So entscheide mich für das grosse Menü mit 6-Gang Menü (EUR 180, es wird auch ein Vier-Gang Menü für EUR 130 angeboten wie auch a la Carte Gerichte), um die Küche kennenzulernen, und dazu das Prestige Wine Pairing (EUR 120, normales Wine pairing EUR 85).


Schon geht es los. Zunächst werden mir einige Kleinigkeiten gebracht, ein gut abgeschmecktes Tartlette wie auch Taube mit Espuma in einer Eischale aus Porzellan. Ersteres ist fein, letzteres wirkt in der Umsetzung sehr beliebig auf mich und enthält einige kleine, recht hart wirkende Stückchen.

Weiter geht es mit einer Art Raviolo mit Tomaten und Käse, dazu Pinienkerne und eine Bärlauch-Eiscreme. Zweifelsohne ein rundes Geschmacksbild, doch auch ein wohl vertrautes und ohne kreative Überraschungen. Doch mir gefällt die einer kräftigen Sauce und ein guter Tick an lebendiger Säure macht das Gericht lebendig. Für den Einstieg in das Menü in einem zwei-Sterne Restaurant hätte ich mir jedoch mehr erhofft.

Weiter geht es mit technisch unpräziser Umsetzung: Die nun folgende Fischsuppe mit Fregola Sarda ist vielleicht nicht übermässig kreativ, doch wohlschmeckend, einzig das in der Mitte platzierte Fischstück wirkt sehr trocken auf mich. Vielleicht hat da der Teller zu lange am Pass gestanden und der gewünschte Garpunkt wurde überschritten.

Auch der nächste Gang – „Tourteau: Oscietra Kaviar, barbecued celery, curry oil“ ist optisch ansprechend, doch alles wirkt leider etwas langweilig abgeschmeckt auf mich, die Sauce wirkt recht eindimensional.

Weiter geht es mit einem erneut altbekanntem, doch nicht mehr übermäßig kreativem Geschmacksbild: Lachs mit einer Wasabisauce. Dazu gibt es gegrillten Lauch, auf dem Lachs kleine textergebende Brösel. Das ganze wird mit einer gläsernen Glocke, darunter Rauch, an den Tisch gebracht. Nun weiss ich, woher auch schon vorher der Rauchgeruch kam.
All das wirkt ein wenig wie Sterneküche vor zwei oder drei Jahrzehnten, und so schmeckt es für mich auch: Ansprechend, doch nicht mit dem Level an Komplexität und Kreativität, welchen ich mir heute in einem vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichneten Restaurant erwarten würde.

Das die Küche mehr kann, zeigt der nächste Gang: Obgleich wieder sehr klassisch, sind die gefüllten Morcheln mit Spargel, Foie Gras und Erbsen eine wunderbare kulinarische Umsetzung des Frühlings, mit grossartigen Produkten und Aromen, gut ausbalanciert und präzise abgeschmeckt!

Klassisch geht es beim Kalb weiter, und die Produktqualität des butterzarten Fleisches überzeugt.


Nach einem Pre-Dessert wird dann eine Crème Brûlée mit Texturen von Zitrusfrüchten, Pampelmuse-Sorbet und Vanille gebracht, das ist kein schlechter Abschluss.
Und ich sinniere über den Abend: Bildlich gesprochen habe ich mir sprudelndes Wildwasser erhofft, doch die Wildheit und Energie scheint verlorengegangen an diesem Abend, das Wasser scheint stillzustehen in der grossen Küche der Vergangenheit.
Bekannte Geschmacksbilder, nicht sonderlich komplex wirkende Umsetzungen, machmal für mich auch technisch unpräzise Zubereitungen. Vielleicht ist das der Stammklientel geschuldet, welche bestehendes schon lange liebt und nicht die Veränderung sucht. Ich würde mir wünschen, dass das Küchenteam das L’Eau Vive wieder mit Ehrgeiz, Wildheit und einer verwegenen Note in eine erfolgreiche Zukunft kocht+
Das Küchenreise Rating
Romantisch in einer alten, renovierten Mühle befindet sich das vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnete Restaurant L’Eau Vive. Französisch-klassisch ist die Küchenlinie, traditionell wirkt das Menü.
Restaurant L’Eau Vive (BE)
| Bewertung Essen (?): | 6+ / 10 |
| Küchenreise-Rating (?): | 2 – kaum wieder |
| Guide Michelin: | ** |
| Gault Millau: | 17 / 20 |
| Gusto: | – |
| Küchenchef: |
Pierre Résimont |
| Adresse: |
BE – 5170 Profondeville, Route de Floreffe 37 Riviere |
| Telefon: | +32-81-41 11 51 |
| Web: | eau-vive.be |
| Kosten: |
4-Gang Menü: EUR 130, Weinbegleitung EUR 65 |
| Angekündigter Besuch (?): | Nein |
| Einladung (?): | Nein |
| Extras (?): | Nein |
| Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung. | |


