Warschau hatte während der Pandemie beide Michelin-Stern-Restaurants verloren. Andrea Camastra, der mit Restaurant Senses fünf Jahre in Folge einen Stern gehalten hatte, stand plötzlich ohne Restaurant da. Angebote aus Tokyo, New York und Dubai lagen auf dem Tisch. Er lehnte alles ab – seine Frau ist Polin, und er war ursprünglich nur wegen der Liebe nach Warschau gekommen.
Der Apulier ist kein gewöhnlicher Koch: Chemie-Studium in Oxford, ein eigenes Labor im Restaurant, Jazz seit der Kindheit. Das hört man Nuta (polnisch für Note) an – die Menüs heissen „Virtuoso” und „Maestro”, die Wände sind mit musikalischen Motiven bemalt. 2022 eröffnete er das Restaurant, nach 13 Monaten kam der erste Michelin-Stern. Mittlerweile zum dritten Mal in Folge.

Etwas versteckt ist der Restaurant-Eingang, doch ich werde herzlich willkommen geheissen. Im grossen Gastraum mit den hohen Fensterfronten und der offenen Küche fühle ich mich sofort wohl. Es herscht ein ungezwungener, positiver Vibe, die Gäste eine Mischung aus Businessgästen und Familien, Solo-Dinern und First Dates.
Neugierig wähle ich bei einem Glas Champagner das Maestro Menü, schliesslich möchte ich (Achtung, Kitsch-Alarm – eigentlich hasse ich ja solche Vergleiche) das Können des Maestros in der Küche kennenlernen.

Und schon folgt der Erste Akkord – schnell werden die ersten Kleinigkeiten gebracht.
Weich und rund das Brioche mit Kaviar, weniger überzeugend für mich das polnische Letscho mit texturell sehr festen Elementen. Gut das Schnkensandwich, gelungen der Tatar-Würfel (7/10).

Und schon wird der zweite Akkord gebracht: Vier weitere Kleinigkeite mit polnischen Frühlingszutaten folgen. Grossartig die Gazpacho aus polnischer Roter Beete, sehr ansprechend auch die warme Sauerampfer-Suppe. Der “Schmetterling” mit Sauerrahm, Erbsen und Kaviar ist sehr gelungen (8/10).


Erstklassig und beeindruckend dann der Brotgang, nein die „Bread Celebration“. Laut Service hat der Chef am Anfang seiner Karriere als Bäcker gearbeitet, und die Leidenschaft dafür merkt man den vielerlei Tellern an. Da ist Pannetone mit Peccorino, Foccasia mit Käse, Brioche, 3 sorten Brot, dazu zwei sorten Butter, Mozarella, butterzarter Speck.
Sich hier zurückzuhalten ist schwer, doch wäre angebracht der weiteren musikalischen Reise durchaus angebracht. Ich scheitere kläglich und bereue es nicht – so macht feiert Spass! (8/10)


Ein Süd-Italiener in Polens Hauptstadt so entstehen spannende Gerichte wie der Dumpling, welcher aus hauchdünnem Agnelotti-Teig besteht und mit Trüffel und einer Sauce mit Schnittlauch kombiniert wird (7/10).


Beim nun folgenden polnishc-litauischen Kartoffelzeppelin bleibt der Hummer gar unauffällig im Hintergrund, die Sauce mit weissem Spargel ist gefällig (6+/10).



Crescendo – es geht zu den Hauptgerichten. Zunächst Forelle mit Blumenkohl, Tomaten, und laut Service ein wenig selbstgemachter Teriaki-Sauce. Das ist rund, mit einem Tick gut eingebundener Säure, klar in der Aromatik – ein guter Anfang der Fisch- und Fleischgänge (7+/10).


Gefällig dann auch der Zander mit Flusskrebsen, Safran und etwas wie Puffreis (7/10).


Kapuśniak, die polnische Sauerkrautsuppe, ist ein herzhaftes Gericht. Die Version von Andrea Camastra wird icht als Suppe gebracht, und statt Sauerkraut befindet sich auf dem Teller Kimchi mit Gulaschgewürzen, statt Schweinefleisch Lamm. In Summe ist das ein überraschendes, wohl abgestimmtes Gericht, welches Spass macht! (7+/10)


Auf zum Finale, doch vor dem Süssen zuächst noch etwas Käse. Der Drink im Bierglas schmeckt wie Epoisse, am Teller Schafkäse mit Cranberry-Sauce, das mundet (7-/10).


Als die polnische Tennisspielerin und Wimbledon-Finalistin Iga Świątek 2026 in einem Interview ihr Lieblingsgericht, Pasta mit Erdbeeren und einem Löffel Joghurt erwähnte, war der Aufschrei gross, wurde ihr gar geraten, lieber nicht mehr nach Italien zu reisen; was für ein Verstoss gegen die kulinarischen Traditionen des Landes.
Dabei gung es nur um ein beliebtes polnisches Kindergericht. Der italienische Chef des Restaurant Nuta, Andrea Camastra, macht das mit seinem Gericht ‚Pasta with strawberries‘ wieder gut: Erdbeeren, Eis, die Pasta zu oberst – vielleicht nicht das komplexeste Geschmacksbild, aber einfach richtig gut, und die geschmacksintensiven Erdbeeren perfekt inszeniert (8/10).

Das musikalische Maestro-Menü war grossartig, jetzt kommt noch die Zugabe in Form von süssen Kleinigkeiten. Unter anderem ein Tartlette mit Sellerie und Karotte – eine Erinnerung an die Mailänder Herzogin Bona Sforza, welche nicht nur 1518 Sigismund I. heiratete und Königin von Polen wurde, sondern auch italienische Gemüsesorten wie Karotte, Lauch und Sellerie nach Polen brachte. Und so heisst auch Suppengemüse bis heute „włoszczyzna„, „das Italienische“ (7+/10).

Und weil bei jedem Konzert der Vorhang mindestens zweimal fällt, bringt die Küche des Nuta auch noch eine weitere Runde an süssen Grüssen zum Abschied, unter anderem einen vorzüglichen Pannetone (7/10).

Ein schöner Abend geht dem Ende zu. Zu einem übermässig heissen Espresso kommt noch die Bonboniere an den Tisch, in drei Fächern befinden sich süsse Kleinigkeiten. Wenn auch der Macaron schon nicht mehr so luftig-kross ist, in Summe wieder ausgezeichnet (7+/10).
Das Küchenreise Rating
Andrea Camastra versteht es, im Warschauer Restaurant Nuta (‚Note‘) wunderbare kulinarische Melodien zu komponieren, und bietet eine moderne Küche mit polnischen, italienischen und internationalen Einflüssen.
Restaurant Nuta *, Warschau (PL)
| Bewertung Essen (?): | 7+ / 10 |
| Küchenreise-Rating (?): | 5 – unbedingt wieder |
| Guide Michelin: | * |
| Gault Millau: | – |
| Gusto: | – |
| Küchenchef: |
Andrea Camastra |
| Adresse: |
PL – LOKALIZACJA: ETHOS, plac Trzech Krzyży 10/14, 00-499 Warszawa, |
| Telefon: | +48 570 007 772 |
| Web: | restaurantmuga.pl |
| Kosten: |
Tasting Menu Virtuoso PLN 595 Polish Pairing PLN 390 /490 12% Service Charge |
| Angekündigter Besuch (?): | Nein |
| Einladung (?): | Nein |
| Extras (?): | Nein |
| Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung. | |









