Simon Rogan und Hongkong – so recht zusammenpassen will das auf den ersten Blick nicht. Der Brite gilt als Pionier der Farm-to-Table-Bewegung, sein L’Enclume im britischen Lake District (drei Sterne im Guide Michelin) kocht mit den Erzeugnissen der eigenen Farm. In Causeway Bay in Hong Kong hingegen: Malls, Hochhäuser, und auf den ersten Blick kein Acker weit und breit.

Funktioniert hat es trotzdem. 2019 als Ableger des Londoner Roganic eröffnet, nach nicht einmal einem Jahr der erste Stern, 2021 dann der erste Grüne Stern Hongkongs überhaupt. Das Londoner Original gibt es mittlerweile nicht mehr. Im Februar 2025 ein Neustart im Lee Garden One Hochhaus: die Tische und Wände aus dem Holz von Bäumen, welche Taifune gefällt haben und welches, nach aufwändiger Trocknung, dann zur Innendekoration verarbeitet wurden. „Upcycling“, welches CO2 sparen soll – das ist einerseits schwer überprüfbar, und andererseits – blendet man all den Arbeitsaufwand etc. aus – auch bestimmt der Fall.

Die Kräuter wachsen auf der Hysan Urban Farm am Dach eines Gebäudes nur ein paar Gehminuten entfernt – das liesse sich leichter überprüfen und hat neben einer Sustainability-Komponente auch gutes Storytelling-Potential.

Am Herd steht mit Adam Catterall ein Head Chef, der seit 2019 dabei ist und die Linie seines Mentors Simon Rogan fortführt. Grund genug für einen Besuch.

Der Gastraum ist vom Atelier E, einem lokalen Architektur- und Designstudio gestaltet: viel Taifunholz, geschwungene Stämme bis zur Decke, Böden aus recyceltem Marmor, aufgearbeitete Möbel. Warmes Licht, angenehm gedämpft – dass draussen eine Mall liegt, vergisst man rasch.

Oolong cured Himalayan trout, Boltardy beetroot and hawthorn
Scallop cracker, emulsion of farm offerings
Maitake mousse, Wagyu ox tongue, pickled shimeji, ramson oil
Preserved summer truffle honey bread, cultured brown 

Serviert wird kein klassisches Degustationsmenü mehr, sondern ein Sharing-Konzept: einige Gänge fix, die Hauptgänge wählt und teilt man am Tisch. Das alles mit viel Fokus auf „hyperlokale“ Produkte „zero-waste“ Techniken, und Sustainability (um alle Schlagworte mal ewrähnt zu haben), das ist sozusagen das Taifunholz auf dem Teller.

Abends kostet das HKD 1’380 zzgl. 10% Service (ca. 155 Euro), mittags gibt es vier Gänge für HKD 520. Vier Getränkebegleitungen stehen zur Wahl, auch alkoholfrei. Die Frage ist nun – nur Schlagworte, oder kann das ganze auch geschmacklich Überzeugen? Die Antwort ist: Ja.

Und zum Start werden dann einige Snacks gebracht: die Forelle mit leichten Raucheraromen ist eher auf der fettigen Seite, doch ok; besonders gefallen mir das Pilzmousse mit Ochsenzunge und der Muschel-Cracker.

Die Küche: modern britisch, so lokal wie in Hongkong möglich – Gemüse von Bio-Farmen aus den New Territories, und mit Zero Waste als Leitprinzip.

Sehr ansprechend das nun an den Tisch gebrachte, leicht süssliche Brioche, welches mit brauner Butter gereicht wird.

Warm seaweed custard, May Queen potato, smoked eel and horseradish

Als Vorspeisen dann einerseits ein genungener Eistich mit Algen, geräuchertem Aal und Meerrettich, …

Young Changhua tomatoes inperilla and coal, fermented pistachio

… andererseits ein Teller mit Tomaten und fermentierten lokalen Pistazien, texturell abwechslungsreich und sehr ansprechend.

Sea bass from southern waters with celtuce, oysters, smoked pike perch roe

Sehr gefällig auch der Wolfsbarsch mit köstlicher Sauce und erfrischenden Gurkenspaghetti, …

Sabah grouper poached in dulse butter, sweet potato leaf, roast shrimp and rosehip

… noch überzeugender der Zackenbarsch mit einen intensiven Sauche, welch eschön nit Süsse und Säure spielt.

Die Flasche Schloss Gobelsburg Tradition Heritage Cuvée 10 Years dazu, ein nach historischen Methoden vinifizierter Wein aus Grünem Veltliner und Riesling aus verschiedenen Jahrgängen, welches hier mit – da wohl am anderen Ende der Welt recht unbekannt – zu einem noch erträglichen Multiplikator verkauft wird, gefällt mit schöner Cremigkeit und Schmelz, Reifearomen und einer präsenten Säure im Abgang.

Stuffed three yellow chicken, White Dragon corn, sauce infused with fats and black garlic vinegar

Weiter geht es mit “yellow chicken” und …

Wah Kee Farm pork with whey cabbage, pickled walnut and sauce finished with fats and apple mead

… intensivem, qualitativ sehr ansprechenem Scweinefleisch mit Kohl und gefälliger Sauce, beides sehr gelungen.

Aerated Kyoho grape, sheeps‘ yoghurt and apple marigold

Und nach einem grossartigen Pre-Dessert im Stile eines taiwanesischen Froozen Joghurt neigt sich der Abend dann…

Warm 61% chocolate, artichoke and malt

… mit einem sehr gelungenen Schokoladedessert in Kombination der dunklen Bitterkeit von Malz dem Ende zu.

Das Küchenreise Rating

Der Abend war lang und schön, der Wein ein Genuss: Vergessen sind die Geschichten vom Taifunholz, und von hyper-lokalen Zero-Waste Sustainabilitz Cooking oder so. Was bleibt: Das Roganic bietet wunderbares Comfort Food zum Teilen basierend auf lokalen Produkten und in entspannter Atmosphäre mit gutem Service. Hierher kommt man, um Guide Micheln „Sterneküche“ in guter Gesellschaft einfach zu geniessen. Weniger für das Taifunholz – sorry, Simon. Doch das ist eigentlich gut so.

Das Rogainic in Hong Kong (1 Michelin Stern) überzeugt mit einem Comfort-Food Sharing Konzept mit Fokus auf lokalen “farm-to-table” Produkten und Sustainability.

Restaurant Roganic, Hong Kong (CN)

Bewertung Essen (?): 7 / 10
Küchenreise-Rating (?): 4 – sehr gerne wieder
Guide Michelin: *
Gault Millau:
Gusto:
Küchenchef:

Simon Rogal / Executive Chef Oli Marlow / Head Chef Adam Catterall

Adresse:

Shop 402 – 403, 4/F,
Lee Garden One, 33 Hysan Avenue,
Causeway Bay, Hong Kong

Telefon:
Web: roganic.com
Kosten:

Menu 1’380 HKD
Drinks Pairings ab 300 HKD (2 Gläser) / 600 HKD (4 Gläser)
Non-alcoholic Pairing 200 HKD (2 Gläser) / 400 HKD (4 Gläser)

Angekündigter Besuch (?): Nein
Einladung (?): Nein
Extras (?): Nein
Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung.

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