Was gibt es noch zu sagen?

Das ist der achte Artikel über das Steirereck auf diesem Blog, geschrieben über eine Zeitspanne von 15 Jahren (2011: Grosses Theater). Essen durfte ich noch öfter (und auch schon vor diesem Blog) dort. Und dennoch hat es mich eines sommerlichen Mittages wieder in das Restaurant gezogen. In das Restaurant, welches beides kann: kreativ und stilistisch einzigartige Gerichte wie auch Wiener Klassiker in Perfektion.

Ich mag es, an einem sonnigen Tag dort um diese Zeit zu sitzen. Der erste zu sein, die frisch eingedeckten Tische drinnen und die Natur draussen zu beobachten. Und dann zu sehen, wie sich der Raum mehr und mehr füllt, wie die angenehme Ruhe durch ein lebendiges Stimmengewirr, Lachen und Freude abgelöst wird.

Es gab Zeiten, da mochte ich das Steirereck mehr; andere, da habe ich mich von ihm entfremdet. Jetzt mag ich es wieder – am meisten mittags, wenn man die kreativen Gerichte wie Rettich mit Steinpilzen und Pfirsich so wunderbar mit den perfekten Wiener Klassikern (Kalbsbeuschel!) oder traditionellerem wie Pogusch-Lamm kombinieren kann. Und ich wähle auch heute wieder das Mittagsmenü mit 5 (aus einer Auswahl frei kombinierbaren) Gängen. Dazu die Getränkebegleitung – halb alkoholisch, halb nicht-alkoholisch; der Tag ist ja noch lange.

Und schon werden mir zu einem Glas Tement Blanc de Blanc Sekt mit Zero Dosage einige Kleinigkeiten gebracht, am besten gefällt mir jenes mit Zuckermelone. Und ich darf zum ersten Mal an diesem Mitttag (es wird nicht bei dem einen Mal bleiben) vom famosen Brotwagen des „Brot-Andi“ auswählen, ein Stück des grossartigen Blunzenbrotes (Blutwurstbrot) muss da natürlich wie immer dabei sein.

Rettich & Steinpilze mit Pfirsich, Spinat & Leinöl

Rettich mit Steinpilz und Pfirsich im ersten Gang ist dann eine ungewöhnliche und spannende Kombination. Am Teller geschmorter Weisser Rettich, marinierte und gebratene Steinpilze und frische wie rehydrierte Pfirsiche, kombiniert mit Spinatgemüse und einer fermentierten Rettich-Buttersauce. Das ergibt ein Gericht mit geschmacklicher Tiefe, mit Intensität und schöner Säure. Stark. Im Glas dazu ein Justė, ein alkoholfreier Kräuterauszug auf Quittenbasis.

Waller mit Mais, Melonengurke, Hollunderblüte & Tagetes

Vielleicht einen Tick konventioneller wird es dann beim Waller, der confiert und dann gegrillt wird und mit schönem, festem Fleisch überzeugt. Er wird kombiniert mit Mais in verschiedenen Variationen (unter anderem als Gemüse mit Paprika, Zwiebel und Salzringlotten, als knuspriger Reis, und als Mais-Fisch-Buttersauce), dazu noch eingelegte Melonengurke und die Sauce wird verfeinert mit geröstetem Paprika-Fischgrätenöl und Tagetes-Öl.

Eine schön abgestimmte Kombination, die Sauce wieder kraftvoll und mit langem Nachgeschmack. Als Getränkebegleitung dazu ein gerösteter Grüntee.

Pogusch Lammrücken mit Zuckererbsen, Stangensellerie & Pistazie

Weiter geht es mit dem Lammrücken vom Pogusch, dazu Zuckererbsen, Stangensellerie und Pistazie mit einem Erbsen-Buttermilch-Schaum. Das wirkt fast schon konventionell und überzeugt auch mit der tollen Qualität des verwendeten Fleisches.

Im Glas dazu ein Syrah „La larme de l’âme“ von der Domaine des Enfants, welcher zunächst deutlich zu kalt an den Tisch kommt und auch danach recht zehrend wirkt.

Weiter geht es, begleitet von einem Bio-Hirschbirnensaft von Leitenbauer, zum famosen Käsewagen. Wunderbar, was sich hier alles an Frischem und Gereiftem findet, schade einzig, dass die Auswahl auf exakt vier kleine Stückchen Käse limitiert ist.

„Esterházy“ Banane mit Périgord Trüffel, Haselnuss & Kaffee

Bei einem Glas Rosenmuskateller Trockenbeerenauslese Nouvelle Vague 2018 aus der Grossflasche von Kracher kommt nun der wohl verrückteste, doch auch wunderbar faszinierendste Gang an den Tisch: Die Esterházy-Banane mit Périgord Trüffel, Haselnuss und kaffee.

Inspiriert ist das Gericht von der Esterházy-Torte, einer ungarischen Cremetorte mit Buttercreme zwischen Biskuitböden. Am Teller ein Haselnuss-Biskuit mit Haselnuss-Nougat-Glasur, dazu salziges Bananeneis, schwarz fermentierte Bananencreme (laut Service wurden die Bananen 90 Tage fermentiert, und dann komplett getrocknet), eingelegter Périgord-Trüffel, Trüffelsaft mit Bananenessig und gerösteten Haselnüssen.

Beim ersten Bissen ist mein Gaumen überfordert, doch je länger ich das Dessert geniesse, um so faszinierend-spannender wird es!

Verschiedene süsse Kleinigkeiten versüssen mir dann den Abschied, thematisch sind diese an den nicht allzu lange zuvor in Wien stattfindenden Songcontest angelehnt, geschmacklich bereiten sie mir Freude.

Das Küchenreise-Rating

Für das Steirereck ist es kein Spagat, hochkreative moderne Küche und klassische Wiener Gerichte in Perfektion zuzubereiten; es ist die DNA des Hauses. Und wer diese Mischung sucht (mir persönlich gefällt sie am besten an diesem Ort), für den bietet sich das Mittagsmenü (oder auch die A la Carte Auswahl abends) besonders an. Ergänzt mit der modernen Architektur der hellen Räume und dem famosen Service ist dann eine grossartige Zeit garantiert.

Ob modern-kreativ mit verblüffenden Kombinationen und starker Aromatik oder wienerisch-klassisch in Perfektion – das vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnete Restaurant Steirereck beherrscht alle Facetten!

Restaurant Steirereck, Wien (AT)

Bewertung Essen (?): 8+ / 10
Küchenreise-Rating (?): 5 – unbedingt wieder
Guide Michelin: ***
Gault Millau: 19 / 20
Gusto:
Küchenchef:

Heinz Reitbauer

Adresse:

AT-1010 Wien, Franz-Josefs-Kai 43

Telefon:
Web: steirereck.at
Kosten:

6-Gang Menü EUR 255 (Getränkebegleitung EUR 120, alkoholfreie Begleitung EUR 75)
7-Gang-Menü EUR 275 (Getränkebegleitung EUR 136, alkoholfreie Begleitung EUR 88)

Mittags-Menü 4-Gang EUR 178 (Getränkebegleitung EUR 85, alkoholfreie Begleitung EUR 54)
Mittags-Menü 5-Gang EUR 198 (Getränkebegleitung EUR 98, alkoholfreie Begleitung EUR 65)
Gedeck EUR 9.50

Angekündigter Besuch (?): Nein
Einladung (?): Nein
Extras (?): Nein
Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung.

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