Oh mon dieu, Stéphan! Le Jardin de France *, Baden-Baden (D)

| Februar 21, 2016 | 1 Comment
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On Februar 21, 2016
Last modified:Januar 7, 2017

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Autopanne

Wenn Du nachmittags auf der Autobahn in schicker Warnweste das Pannendreieck hinter Deinem liegengebliebenem Fahrzeug aufstellst, denkst Du noch nicht an gutes Essen.

Später dann, wenn Dein Wagen zur Werkstätte gebracht und Du in Baden-Baden gestrandet bist, dann schon.

Jetzt scheint Baden-Baden ein bisserl ein schwieriges Pflaster. Im Brenner, der „sicheren Bank“, war das Restaurant schon bis zum letzten Platz ausgebucht. Vieles sonst wirkt entweder sehr touristisch oder sehr konservativ.

Nach Konsultation einschlägiger Führer sind wir dann auf das ‚Le Jardin de France‘ gestossen. Ein Michelin-Stern, 16 Gault Millau Punkte und 7 Gusto-Pfannen sprechen ja schliesslich für sich. Französische Küche, im Januar ergänzt im thailändische Inspirationen einer Thai-Köchin ja auch.

Doch irgendwie war an diesem Wochenende der Wurm drinnen – nach Autopanne war auch das Essen für uns eher in der Kategorie Panne. An Sterne-Restaurants haben wir gewisse Erwartungen. Klar, andere Gäste haben andere Erwartungen, und der Guide Michelin wieder andere. Dies sind subjektive Eindrücke. Doch lest, was uns nicht so begeistert hat.

Unser Dinner im Restaurant Le Jardin de France in Baden-Baden

Durch einen wunderschönen Innenhof betreten wir das ehemalige, 1892/93 erbaute Restaurant „Goldenes Kreuz“. Mittlerweile ist dieses längst modernisiert, viel Glas und Kunst an den Wänden schaffen eine angenehme Atmosphäre.

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Laut Homepage haben der ‚Meisterkoch‘ Stéphan Bernhard und seine Frau Sophie das Restaurant im Jahre 1998 übernommen, und schon 1999 bewertete der Guide Michelin die Küchenleistung mit einem Stern.

Und so studieren wir neugierig bei einem Glas Champagner die Karte (der ‚Tagesfisch‘ ist heute Jakobsmuschel mit Hummer) und treffen unsere Wahl. Heute mal kein Menü, sondern einige Gänge a la Carte.

Grüsse aus der Küche

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Schon bald wird uns ein Gruss aus der Küche gebracht. Einerseits ist dies Foie Gras mit Apfel und Mirabelle. In deinem Glas ist eine Foie Gras Creme mit einer gelierten Schicht der Früchte. Das ganze erinnert uns an ähnliche Kleinigkeiten etwa an einem Brunch-Buffet.

Dazu wird ein Tatar vom Lachs und einem weiteren Fisch gebracht. Der Fisch ist nicht roh, er scheint gebeizt oder geräuchert zu sein und die Oberfläche der Stücke wird trocken. Dafür ist das Tatar sehr ölig angerichtet. Wir sind enttäuscht – an einem Bruch-Buffet würden wir diese Kleinigkeit wahrscheinlich stehen lassen. (-/10)

Lap, das Tatar vom Weiderind

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Die erste Vorspeise ist ‚Lap, das Tatar vom Weiderind‘. Offen erklärt uns der sonst grossartige junge Herr im Service, dass er auch nicht weiss, was ‚Lap‘ ist. Egal, das ganze ist gemäss Karte ein Rinderfleischtatar gewürzt wie in Laos.

Die Art der Dekoration – viele Tupfen am Teller – scheint nicht so sehr vietnamesisch zu sein, sondern eher an vergangene Jahrzehnte in der europäischen Kulinarik zu erinnern. Doch egal, wenn es schmeckt.

Schade jedoch, dass man in Laos nur mit wenig Salz und Säure zu arbeiten scheint. Oder hier.

Obwohl das Tatar mit diversen asiatischen Zutaten vermischt ist (das schmeckt etwa ein wenig nach Zitronengras, das gibt eine abwechslungsreiche Textur, auch wenn irgendeine Zutat sehr hart ist), wirkt es auf uns nicht lebendig, sondern langweilig. Die Tupfen am Teller geben dann noch viel viel eindimensionale Süsse. Und sehr filigran sind die Salatblätter am Tatar nicht. (5/10)

Thunfisch „Sushi Qualität“

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Ähnlich ergeht es uns bei der anderen Vorspeise – einem Thunfisch „grob als Tatar geschnitten, Vinaigrette Yuzu und Passionsfrucht, knackiger Asia Salat“.

Erneut zieren viel Punkte den Teller. Der Thunfisch, in grössere Würfel geschnitten, ist frisch und von sehr guter Qualität. Darauf befindet sich wiederum ein texturell sehr grober Salat – auf ein-Sterne-Level würden wir uns den feiner zubereitet wünschen.

Und erneut ist für unseren Geschmack zu wenig von Salz oder Säure zu merken, und die Tupfen bringen wieder diese Süsse – für uns wirkt das ganze eindimensional. (5/10)

Thai Gemüse Salat mit grünem Mango

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Das Thai-Gemüse als Zwischengang verwirrt uns erneut. Von der Struktur wirkt das Ganze einfach und grob. Für uns ist beim Abschmecken erneut zu wenig Säure oder Salz verwendet worden, die Marinade ist erneut süsslich. In Summe wirkt dieser Gang auf uns langweilig.

Bei so manchem Thailänder, gar bei manchem Thai-Imbiss gibt es einfache, gut abgeschmeckte thailändische Salate zu einem Bruchteil des Preises von EUR 18. Wir würden diese bevorzugen und sind allmählich ratlos. (-/10)

Leichtes Blätterteig Gebäck mit Parmesancreme und Trüffel

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Der alternative Zwischengang ist das leichte Blätterteiggebäck mit Parmesancreme und Trüffel. Ein schöner Trüffelduft steigt in unsere Nasen, die schwere Parmesancreme mit Pilzen ist vielleicht keine moderne, doch eine durchaus ansprechende Kombination dazu.

Das Blätterteig-Törtchen in der Mitte des Tellers – nun da haben wir schon leichteres Gebäck genossen. Hier finden wir eher kompakt geraten und es beginnt sich, mit der Creme vollzusaugen. (5+/10)

Perlhuhn von Mieral – Pintade de chez Mieral

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Zum Hauptgang haben wir dann beide das Mieral-Perlhuhn gewählt. Die Küche hat Fleischstücken vom Perlhuhn zu einer Pie geformt, darauf kam dann wohl etwas Gänseleber, dann ein Blätterteig. In der Mitte dieser Torte fand sich ein Stück (erstaunlich kühler und damit fester/geschmacksarmer) Trüffel, rundherum eine schwere Sauce. Luxuriöse Zutaten, gewiss, und auch ganz ok. Doch wie erwähnt, wir wollen ja begeistert werden.

Begleitend dazu gab es einen Feldsalat mit darüber geriebenen Trüffeln. Nun finden wir, dass schwarze Trüffel vor allem warme Speisen geschmacklich bereichern. Noch unglücklicher empfanden wir es, dass die Reste des Trüffelaromas im für uns im süssen Salatdressing unterzugehen schienen. (5/10)

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Zum Abschluss nehmen wir dann noch Kaffee und einige Petit Fours zu uns. Unterhalten uns noch lange und grübelnd über die verzehrten Speisen. „Oh mon dieu, Stéphan“ – was ist an diesem Abend bloss passiert. Oder ist unser Geschmack vielleicht so ganz verschieden von jenem der Michelin-Tester?

Unser Küchenreise-Rating

Baden-Baden ist mondän, manchmal konservativ und eine Stadt der klassischen Grand-Hotels und der Kurschatten. Mag sein, dass die Klientel kulinarisch die klassischen Luxus-Produkte wie Trüffel und Gänseleber schätzt und sonst nicht zu viel überfordert
werden will. Die Gerichte im Le Jardin de France wurde für uns auch nicht diesen Ansprüchen gerecht. Neugierig hat und die Kombination von französischer Klassik und vietnamesischen Ideen gemacht. Die Umsetzung haben wir am Abend unseres Besuches als
für uns ungenügend empfunden. Preislich im Sterne-Bereich angesiedelt wirkten die Speisen auf uns einfach strukturiert, wenig kreativ und nicht nach unseren Erwartungen abgeschmeckt. Die Bewertungen der Gourmet-Führer können wir nicht nachvollziehen,
doch sie zeigen vielleicht, dass Erwartungen sehr subjektiv sind.

Restaurant Le Jardin de France in Baden-Baden (D)

Bewertung Essen (?): 5 / 10
Küchenreise-Rating (?): 1 – sicher nicht wieder
Guide Michelin: *
Gault Millau: 16 / 20
Gusto: 7 Pfannen
Küchenchef: Stéphan Bernard
Adresse: Liechtentalerstrasse 13 D-76530 Baden-Baden
Telefon: +49-7221-300 78 60
Web: http://lejardindefrance.de
Kosten (Rechnung): xxx EUR (2 Personen)
Angekündigter Besuch (?): Nein
Einladung (?): Nein
Extras (?): Nein
Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung.

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Category: Deutschland, Fine Dining

Comments (1)

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  1. B. Steinmann sagt:

    Hey Küchenreise,

    mit „Lap“ könnte ein altes Gewichtsmaß gemeint sein.

    Beste Grüße
    B.

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