Die Gipfel strahlen hell: Restaurant Simon Taxacher, Kirchberg in Tirol (A)

| Mai 9, 2019 | 0 Comments
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On Mai 9, 2019
Last modified:Mai 12, 2019

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Die Tiroler, so sagt man, sind stolze Menschen. Manchmal vielleicht kauzig, an anderen Orten mondän. Und ja, die Gipfel sind hoch, und sie strahlen hell in der Abendsonne.

In Kirchberg ist man nahe am mondänen Zentrum von Tirol, nahe an Kitzbühel. Das Publikum im Hotel Taxacher ist gediegen, das Hotel ist gepflegt. Und doch nicht luxuriöser Mainstream, sondern mit Persönlichkeit. Die Frage, die es an diesem Abend im Sommer 2018 zu beantworten gibt: Strahlen auch die kulinarischen Gipfel (das Restaurant Taxacher ist mit 19 Punkte im Gault Millau in der Spitzengruppe der österreichischen Restaurants) hell?

Dinner im Restaurant Simon Taxacher in Kirchberg in Tirol

Zum Start vom schönen Champagnerwagen zwei Gläser Bolliger Grande Vorab zum Champagner noch 2 Gillard Austern. Sehr schade doch, dass der Bolliger Grande Année (EUR 35/Glas), dazu Gillard Austern (EUR 5.90 / Auster). Schade, dass der Champagner nur noch sehr wenig Kohlensäure hatte und wohl schon zu lange geöffnet war. Dies sollte in Restaurants dieser Kategorie nicht passieren (und nein, es sollte auch nicht der Gast sein, der reklamieren muss – der Sommelier muss das schon vorab im Griff haben). 

Dann wurden die ‚Texturen I‚, die Grüsse aus der Küche gereicht:

  • Wassermelone mit Tintenfisch, Kamille
  • Ingwer-Rosmarinshot
  • Angusrind und Steinpilz
  • Stabmischel mariniert
  • Knuspriger Stockfisch

Die Texturen konnten allesamt mit Frische, gelungenem Einsatz von Säure, guter Produktqualität und interessanten Texturen überzeugen. (8/10)

Vorzüglich das nun gereichte Sauerteigbrot.

Grossartig dann der marinierte Kingfisch: Feste, angenehme Struktur, tolle Qualität, passend (nicht zu kalt) von der Temperatur; schön kombiniert mit Apfel, Wasabi und weissen Mandeln. (8+/10)

Der erste ‚richtige‘ Gang des Menüs war dann Stör mit Gartengurke und Buttermilch. Hier wurden verschiedene Gurken – verschieden zubereitet – mit in Stickstoff gefrorenen Buttermilchkügelchen und Buttermilchtapioka kombiniert. Leider hatte der Stör jedoch für mich eine viel zu feste Textur und war auch nur mit Hilfe eines Messers so recht und schlecht zu teilen und daher enttäuschend; die anderen Komponenten waren sehr überzeugend. (7/10)

Beim Carabinero  mit Fenchel und mariniertem Knoblauch – kombiniert mit einem Taschenkrebstatar und Dashifonds gefiel mir die Qualität und der Geschmack des Carabniero, Fenchel und Taschenkrebsfonds waren eine überzeugende Kombination. Ausgezeichnet war der Dashifonds! (8/10)

Der Kwell-Saibling ist ein Saibling aus Tiroler Zucht, welcher in kühlem Wasser langsam heranwächst und dadurch ein festes und geschmacksvlles Fleisch aufweisen soll. 

Und so war er auch ein guter Hauptdarsteller bei Tiroler Kwell Saibling / Sesam / junger Lauch. So richtig begeisternd machten den Gang jedoch die weiteren Mitspieler, der angeröstete Lauch, der Fonds mit schöner Säure und der schwarze Sesam – hervorragend! (8+/10)

Bei Ibérico Kinn / Kohlrabi / Crysantheme wies das Fleisch einen wunderbar intensiven Geschmack und schöne Röstaromen auf. Der Fonds war ein fein ziselierter Mitspieler, Kohlrabi in verschiedenen Zubereitungsarten begleitete. (8+/10)

Am nächsten Teller dann Bio Wagyu / Artischocke / Malabarspinat – das Fleisch gut, doch nicht ganz so überzeugend wie jenes im davorfolgenden Gang, die Beilagen sehr schön . (8/10)

Grossartig dann der Käsewagen mit schöner Auswahl.

Das Pre-Dessert dann ein wirklicher Hammer: Tomaten-Basikumsorbet und ein dünnes Tomategelee, dazu Tomatenkerne, Basilikumblätter und ein Prosciutto waren eine fast schon grenzgenial erfrischende Kleinigkeit. (9/10) 

Maisstrunk / Heidelbeere / Estragon war in Summe auch ein verzauberndes, spannendes und fein abgestimmtes Dessert. (8+/10)

Zum Abschluss dann die ‚Texturen II‚:

  • Zitronentarte
  • Lavendel-Schaumkuss
  • Steinpilztrüffel
  • Heidelbeer-Dillpraline
  • Hibiskus-Chilliölpraline

allesamt sehr überzeugend. (8+/10)

Unser Küchenreise-Rating

Das Restaurant Taxacher ist ein noch relaxter geworden: Die weissen Tischdecken sind entfernt, die silbernen Champagnerkelche glücklicherweise hochwertigen Gläsern gewichen. Und der Service transportiert mondäne Entspanntheit, wie man sie in guten Hotels internationaler Städte kennt.

Kaviar, Champagner und Austern gibt’s natürlich dennoch, gewisse Luxusprodukte schuldet man wohl dem Publikum. Und auch das Menü ist nicht frei von diesen, doch kombiniert diese auch mit grossartigen lokalen Zutaten.

Die Küche von Simon Taxacher ist modern und versteht es, mit Texturen wie Temperaturen, mit Säure und Aromatik zu spielen. Die Zutaten sind qualitativ hochwertig, die Arrangements kreativ, die Umsetzung ist präzise.

Ja, die Gipfel strahlen hell aus der Küche von Simon Taxacher in Kirchberg in Tirol. Schade, dass der Guide Michelin seinen Weg nach Österreich nicht finden will, er würde wohl ‚ einen Umweg wert‘ empfehlen.

Restaurant Simon Taxacher in Kirchberg in Tirol (A)

Bewertung Essen (?): 8 / 10
Küchenreise-Rating (?): 5 – unbedingt wieder
Guide Michelin: Keine Bewertung in Ö
Gault Millau: 19 / 20
Gusto:
Küchenchef: Simon Taxacher
Adresse: Aschauer Strasse 46
A-6365 Kirchberg in Tirol
Telefon: +43-5357-4201
Web: rosengarten-taxacher.at
Kosten:
Angekündigter Besuch (?): Nein
Einladung (?): Nein
Extras (?): Nein
Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung.

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Category: Europa, Fine Dining, Österreich

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