Moderne und Tradition

1844 war er ganz neu, der Neuwirt. Heute ist das Ambiente schon ein wenig historisch und traditionell im besten Sinne. Die Küche dagegen ist modern geblieben (1 Michelin Stern, 16 Gault Millau Punkte). 

Erlauben Sie uns heute einen Blindflug. Wenn wir über ein Restaurant berichten, sind wir bemüht, jedes Gericht fotografisch und über Notizen festzuhalten. Und die Karte aus dem Internet für das spätere Schreiben des Berichtes zu speichern. Letztere ist uns abhanden gekommen – wir bitte um Entschuldigung. Und werden versuchen, den Gerichten auch so einen Namen zu geben – verzeihen Sie uns alle Ungenauigkeiten.

Doch wir wollen vom Restaurant Neuwirt berichten – es war durchaus eine positive Überraschung auf unserer Reise. Zuerst hatten wir es gar nicht auf dem Radarschirm.

Spontan haben wir dann doch einen Tisch reserviert, und waren Abends an einem Wochentag fast die einzigen Gäste. Ein fast leeres Restaurant mit eher rustikalem Ambiente – das kann schon skeptisch machen.

Doch wir haben uns überzeugen lassen von der Kombination aus guter, solider Küche mit dem gewissen Extra und einem anständigen Preis-Leistungsverhältnis. Letzteres ist ja – um Klischees zu wiederholen – in Kitzbühel nicht unbedingt immer gegeben.

Unser Menü im Restaurant Neuwirt in Kitzbühel

0. Grüsse aus der Küche

Zunächst wurde uns als Gruss ein wenig Kalbskopfsülze mit Kräutern an den Tisch gebracht – fein! Dazu Brot, Butter mit Parmaschinken sowie ein Kürbiskern-Kräuter-Aufstrich.

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Danach erfreute uns eine Spargelsuppe mit Garnelenspiess, ein Carpaccio-Rällchen mit Garnelentatar und Avocado sowie ein confiertes  Ochsenbackerl.

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1. Saibling & Tomate

Ein schöner Einstieg in das Menu: Der Saibling am Teller als Saiblingstatar und Saiblingscreme in Tomatengelee. Dazu Carpaccio von der Ochsenherztomate, Kräutersalat, Tomatencremewürfel. Schönes Zusammenspiel an Fruchtigkeit und Säure. Uns schmeckt Tomate, wenn sie gut und geschmacklich intensiv ist. Uns hat dieser Gang gemundet!

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2. Zander & Bröselkarfiol

Der Zader gut gelungen, darunter Rosinen – geschmacklich kleine, süsse Kontrapunkte! Dazu Karfiol (Blumenkohl) mit gerösteten Bröseln, Karfiolcreme und eine die verschiedenen Komponenten gut verbindende Buttersauce. Ein harmonisches Gericht.

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3. Steinbutt, Hummer, Erbse

Am Teller fanden sich der gebratene Steinbutt, Hummertortellini, Erbsencreme, Erbsengemüse, kleine Morcheln und Hummerfonds. Ein Gericht mit Brüchen, einerseits irgendwie nicht so stimmig, andererseits doch spannend.

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Ein Blick auf das rustikal eingerichtete Restaurant:

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4. Lammrücken, Tomate, Bohnensud, Chorizo

Gut gelungen der Lammrücken in auch optisch ansprechend tiefgrünem Bohnensud. Dazu eine Zuchiniblüte, eine confierte Tomate, ein Stück Schärfe gebender getrockneter Chorizo sowie einige Tupfen von schmwarzem Knobaluch. Fein!

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5. Dreierlei vom Kalb mit Eierschwammerl

Am Teller ein Kalbshaxerl im Lauchpürree (letzteres schien uns zu intensiv und zu salzig), ein gut gelungenes Stück Kalbsfilet mit einem kleinen Stück von paniertem Kalbsbries mit frittiertem Frühlingszwiebel sowie ein feines Stück Kalbsbackerl auf ausgezeichnetem Erdäpfelpüree; dazu Eierschwammerl (Pfifferlinge)

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6. Ziegenkäse, Radieschen

Der Käsegang gefiel uns durch seine Kreativität: Ein Stück Ziegenkäseterinne, ein Canneloni mit Ziegenkäseespuma auf  süsslicher Radieschenmarmelade und dünne Radieschenscheiben auf Apfelstückchen fanden sich am ersten Teller. Am zweiten Teller dann gebratener Ziegenkäse mit Radieschen sowie ein Kressesüpppchen. Fein, angenehm intensiv nach Ziegenkäse schmeckend und in schöner Kombination mit dem Radieschen!

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7. Himbeere, Schokolade, Zitronenthymian

Zeit für Süsses: Wir genossen allerlei von der Himbeere, von der Schokolade und vom Zitronentyhmian; dazu in einem separat gereichten Glas Zitronenthymiangelee mit Erdbeere. Was an diesem Gericht besonders Spass gemacht hat war, sich durch die verschiedenen Elemente durchzukosten, das Wechselspiel von Texturen und der Geschmäcker der drei Grundkomponenten zu erleben! Ein toller Gang!

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8. Petit Fours

Zum Kaffee dann noch Petit Fours: Ingwer-Schwarztee, Orangenlollies, Schokolademacarons, Marshmellows und Pralinen mit Marille und Erdbeere. Sehr fein, einzig der Macaron schien uns zu trocken.

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Das Finanzielle:

Knapp EUR 400 für zwei mal das 7 Gänge Menü, Champagner vorab, 4 Gläser feinem  Weiswein (Grüner Veltliner von Lagler, Riesling von Prager), eine Flasche ausgezeichneter In Signio Leonis von Heribert Bayer, Wasser, Espresso sowie das in Österreich nicht aussterbende „Gedeck“ sind in Kitzbühel ok.

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Unser Küchenreise-Rating:

Eine gute, solide Küchenleistung auf 16 Punkte / 1 Stern Niveau. Die Gerichte nicht zu komplex, und doch immer wieder mit Kreativität und einer klug gewählten Vielzahl an Komponenten am Teller punktend. Wir kommen bei anderer Gelegenheit gerne wieder!

Im Guide Michelin hat das Restaurant 1 Stern, bei Gault Millau 16 Punkte.

4 – Gerne wieder
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)

Restaurant Neuwirt im Hotel Schwarzer Adler
Floriangasse 15
A-6370 Kitzbühel

 

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