Nach den Höhen nun die Tiefen? Bo Innovation ***, Hong Kong

| August 26, 2018 | 0 Comments
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On August 26, 2018
Last modified:August 26, 2018

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Das schlechteste Risotto meines Lebens habe ich in der Traveller’s First Class Lounge am Hong Kong Airport gegessen. Auch wenn’s diesmal ‚nur‘ ein Business Flug wird, um etwaige abendlich-kulinarische Lounge-Katastrophen zu vermeiden, entschliesse ich mich am Vormittag des Abflugtages, im Bo Innovation nach einem Tisch zu fragen.

Mit dem Restaurant verbinde ich einige schöne Erinnerungen. Verrücktes, aber irgendwie geniales Essen von einem crazy Chef noch in der Zeit, bevor der Guide Michelin auch Hong Kong abdeckte. Bei der Lancierung des Guides dann der 3 Sterne-Knall, kurz zwei Sterne, nun seit langem wieder deren drei. Viel Wein und interessante Gespräche am Küchentisch mit britischen, deutschen, spanischen oder lokalen Köchen. Spannende X-Treme Chinese Küche und Chef Alvin Leung, der es versteht, mit seinen Gerichten wunderbare Geschichten zu erzählen.

Doch diesmal war alles anders.

Dinner im Restaurant Bo Innovation in Hong Kong

Ich steige aus dem Taxi, welches mich zum Restaurant gebracht hat. Warm, aber nicht zu schwül ist die Luft, und der Wind heute erfrischend. Ich nehme den Lift hinauf zum Restaurant – um dort ein spanisches und ein thailändisches Restaurant vorzufinden. Ach ja, das Restaurant ist ein paar Häuser weitergezogen. Der Service eines der Restaurants sehr hilfreich, aber hat auch nur eine grobe Idee, wo das Bo Innnovation sich genau befindet (auch wenn ich nicht der einzige Suchende zu sein scheine), und schickt mich nach einigen Diskussionen durch das Innere eines Hochhauses weiter. Wenn auch nicht zum Ziel, doch wieder auf die Strasse finde ich. Und schliesslich auch den korrekten Eingang:

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Der Stil des Restaurants ist deutlich mehr Casual geworden, erinnert an Hong Kong der 60er Jahre. Industrieller chic, goldene Installationen, einfache Sessel und Tische ohne Tischtuch. Nun, der Casual Dining Trend geht um die Welt, auch in einem Drei-Sterne Restaurant sagt das absolut nichts zur Qualität des Essens. Das kann, unabhängig vom Ambiente, famos sein, oder auch nicht..

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Der Eingangsbereich

Das Restaurant 

Teller aus den 70er Jahren

Zwei Menüs werden angeboten, das Red Menu und das etwas umfassendere Blue Menu. Angesichts der etwas knappen Zeit aufgrund meines Langstreckenfluges später am Abend wähle ich Ersteres, dazu das Grand Cru wine pairing.

Der kulinairsche Höhepunkt des Abends folgt nun sofort und noch vor Beginn des eigentlichen Menüs. Ein paar Kleinigkeiten, welche sweet, sour, spicy und bitter sind – genial, wie klar und stark die Geschmacksprofile hier heruasgearbeitet sind! (9/10)

child’s play

a playful approach to popular Hong Kong dishes

Das Menü im Bo Innovation erzählt vielerlei Geschichten, und gibt damit Eindrücke in die kulinarische Welt von Hong Kong, modernisiert die Gerichte aber oft. Ein Beispiel ist das Egg Bread, oft auf Strassenküchen angeboten, hier im Guide Michelin 3-Sterne Restaurant serviert. Das hat mir bei vergangenen Besuchen immer sehr gefallen, aber es hängt auch von Geschichtenerzähler ab – doch der Service wirkt heute nur, als ob er die Informationen zum Gericht auswendig herunterrattert (mit Ausnahme des Sommeliers – tolle Weine, und der Herr verstand es, zum Wein interessante Informationen und Geschichten zu präsentieren).

Und es hängt natürlich auch vom Essen ab – die dargebotenen Kleinigkeiten sind heute eher langweilig in Textur und Geschmack. (7/10)

Dim sum extreme

caviar, taro, smoked quail egg 

Das nächste Gericht ist ein Signature Dish; heute scheint er mir aber im Vergleich zu früheren Besuchen nicht so perfekt umgesetzt. (7/10)

x-treme „xiao long bao“

Schon besser die ‚molekulare Spielerei‘, eine hauchdünne Sphäre, innen mit einer Art Suppe gefüllt; ein Tick Schärfe und sehr gut abgeschmeckt. (8/10)

aberdeen floaters

wild kitmat queen spot prawn, kinki, soy salt, dried shrimp, „har mi“ vermicelli, pickle fuzzy melon

Der Riesling Goldkapsel Walkenberg von Toni Jost weisst eine schöne Mineralik auf und gefällt. Das Sashimi vom Kingfisch mit einem Sojapulfer und dem selbst gemachten Öl aus getrockneten Shrimps war recht anständig, auch wenn mich die Qualität des Fisches nicht restlos überzeugt hat. (7+/10)

Bamboo matrix

foie gras „chu yeh ching“ miso, green apple, bamboo chacoal mantau

Genseleber mit Miso, Grünem Apfel, mit lokalem Schnaps besprüht und in ein mit Bambus-Kohle gefärbtes Brötchen gesteckt, das ist schon ganz gut. (7+/10)

postnatal fancy

Pat Chun sweetened vinegar

„pat chun“, pig trotter, ginger, hollandaise

Und auch bei diesem Gang, angelehnt an ein traditionelles Gericht, welches Frauen nach der Geburt gegessen haben, frage mich mich, wo bleibt heute die Komplexität, wo bleibt die Spannung? Nicht schlecht, aber für mich heute doch etwas eindimensional. (7/10)

classic upgrade

haida gwaii wild cod, black bean miso, Indian lettuce

Eine Fischdose, wie sie häufig in Supermärkten in Hong Kong zu finden ist, doch gefüllt mit wildem Kabeljau, einem Miso aus schwarzen Bohnen und Indian Lettuce – erneut für mich eindimensional wirkend und langweilig abgeschmeckt. (7/10) 

the imperial begger banquet

chicken à la king

Leider ist auch das königliche Huhn zwar hübsch mit Blattgold dekoriert, doch lässt für mich geschmacklich erneut Spannung und Komplexität vermissen. (7/10)

qing cocktail

„mou tai“, calamansi, egg white

Mou Tai – schnaps mit Eiweiss und Kalamansi (7/10)

suckling pig

roasted sichuan pineapple, baby geens, „pat chun“ ginger vinaigrette

Das Spanferkel ist dann vom Fleisch zart und fein, eine wunderbar knusprige Haut, die gegrillte Ananas gibt Süsse, die Greens frische Säure. (7+/10)

bo baba

osmanthus, pear, yuzu honey, snow fungus, wolfberry, almond

Ernüchternd dann auch der süsse Abschluss, alles ist hier einfach süss. (6/10)

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Chef Alvin Leung

Petit Fours (6/10)

Nette Idee – eine Postkarte, der Gast schreibt, das Restaurant verschickt sie dann…

Blick in die Küche

Espresso, leider ohne richtige Crema

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Sweets zum Abschied

Unser Küchenreise-Rating

Leider war das Essen im Bo Innovation diesmal eine grosse Enttäuschung. Das Menü erzählt noch immer eine Geschichte, doch der Service, welcher seinen Teil der Geschichte erzählen muss, war leider sehr uninspiriert dabei. Die Gerichte , ich kannte einige der Signature Dishes von früheren Besuchen, waren diesmal von der Umsetzung langweilig abgeschmeckt, wirkten wie ‚auf Sicherheit gekocht‘ und liessen jene faszinierenden Geschmackskombinationen und jegliche Begeisterung vermissen. Drei Michelin-Sterne – aus meiner Sicht wären bei diesem Besuch eher ein Stern angebracht gewesen. Im Moment kann ich das Bo Innovation nicht empfehlen.

Restaurant Victors Fine Dining by Christian Bau, Perl-Nenning (D)

Bewertung Essen (?): 7 / 10
Küchenreise-Rating (?): 2 – kaum wieder
Guide Michelin: ***
Gault Millau:
Gusto:
Küchenchef: Alvin Leung
Adresse: 60 Johnston Road
Wan Chai, Hong Kong
Telefon: +49-6866-79 118
Web: boinnovation.com
Kosten (Rechnung): Red Menu HK 2’280, Grand Cru wine pairing HK 1’880 (+10% service charge)
Angekündigter Besuch (?): Nein
Einladung (?): Nein
Extras (?): Nein
Alle Bewertungen beziehen sich auf den Zeitpunkt des Besuches. Unsere Wertungen reflektieren einzig unsere persönliche Meinung.

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Category: Fine Dining, Hong Kong, International

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